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Fantasy - Eisland 2

Eisland 2

Kenichi und Tima wachten fast gleichzeitig auf, als das Wesen zur Landung ansetzte. Keiner von beiden wusste, wo sie waren, warum sie dort waren und wer Es war. Ziemlich unsanft landete es auf dem Boden und ließ die Beiden herunter. Sie waren wieder bei vollem Bewusstsein und erinnerten sich noch Schemenhaft an das Geschehen von vor....wie lange sie bewusstlos waren konnten sie nicht deuten, aber es war dunkel, also mussten es mehrere Stunden gewesen sein. „Wie lange waren wir weg?“, fragte Kenichi das Ding mit den Flügeln. „Wir sind jetzt fast 8 Stunden ununterbrochen geflogen.“, antwortete es mit dieser gänsehauterregenden Stimme. „Ich glaube, du bist uns ein paar Erklärungen schuldig!?“, fragte Tima äußerst zögerlich. Sie wollte sich dem Wesen gegenüber nicht im Ton vergreifen, da die Folgen für sie nicht abzuschätzen waren. „Warum ausgerechnet wir, wie heißt du und WAS BIST DU!?“, fragte Kenichi, ohne auch nur im geringsten auf seine Tonlage zu achten. Etwas schlimmeres als getötet zu werden, konnte ihm eh nicht wiederfahren und nachdem, was er heute gesehen hatte, wusste er, dass er es nicht so schnell wieder aus seinen Gedanken loskriegen würde. Er hatte keine Angst mehr vor dem Tod. „Okay. Mein Name ist Sith. Ich bin ein Drachenmensch und wir sind hier in meiner Heimat, Erdnak.“ Er sah ziemlich erschöpft aus und bevor er fortfuhr, verwandelte er sich zurück. Es war zeitlich nicht zu vergleichen mit der Verwandlung zum Drachen hin, die etwas lange gedauert hatte. Die Rückverwandlung war nach Zehn Sekunden beendet. Er schrumpfte vor ihren Augen in seine Ausgangsgröße zurück und zog Flügel und Schwanz ein, fertig. Er seufzte vor Erleichterung und fuhr in seiner normalen, vielleicht schon etwas zu hohen Stimmlage fort: „Also. Ich gehe mal davon aus, dass ihr diesen Fleck nicht auf der Weltkarte finden werdet, zumal wir uns nicht auf der Welt, wie ihr sie kennt, befinden. Erdnak ist praktisch eine Parallelwelt zu der euren, nur das eure etwas fortschrittlicher ist. Dafür haben wir Wesen, die euer Blut in den Adern gefrieren lassen würden, wenn ihr sie nur ansehen würdet. Drachenmenschen sind die hier häufigsten anwesenden, praktisch wie ihr Menschen, jedoch mit dem kleinen Unterschied, dass wir uns verwandeln können.“ Er schlang die Arme um seinen Körper und rubbelte sie heftig aneinander. Kenichi und Tima hingegen waren an dem Punkt angelangt, an dem sie überlegten, ob sie nicht ihre Pullis ausziehen sollten. Es war viel zu warm. „Jedenfalls habe ich euch mehr oder weniger zufällig genommen. Deine Freundin rannte panisch durch die Straßen, da hab ich sie gefragt, was los sei und sie erklärte mir alles. Ich habe gesehen, dass du ein ausgezeichneter Schwertkämpfer bist.“, gab dieser zu. Kenichi wusste nicht, ob er sich geschmeichelt fühlen sollte, aber das tat er ohnehin. „Das werden wir brauchen können. Hier, halt mal mein Schwert.“ Er zog es aus der Scheide und gab es ihm in die Hand. Kenichi beugte sich etwas nach vorne, als Sith losließ, denn es war bei weitem schwerer als erwartet. „Keine Sorge, für dich lasse ich eine extra leichte Anfertigung machen. Ihr Menschen seid halt zu schwach, aber ich staune, dass ihr überhaupt in der Lage seid, es zu halten.“ Er gab das Schwert an Tima weiter, die damit nach vorne kippte. Sie ließ das Schwert fallen und stürzte auf die Knie. Schnell sprang sie wieder nach oben. „Verdammt ist der Sand kalt!“, sagte sie laut. „Darin liegt das Problem!“, sagte Sith und erklärte ihnen alles. „Wie ihr sehen könnt, befinden wir uns hier in der Wüste. Die Sonne scheint, woraus sich schließen lässt, dass es warm ist. So war es vor geraumer Zeit auch noch, bis sich plötzlich die große Kälte breit machte. Schlagartig wurden ganze Landstriche eingeeist, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir werden demnächst einen dieser Orte besuchen, allerdings muss ich mich darauf vorbereiten.“ Man konnte ihm ansehen, dass es normalerweise noch viel wärmer war, denn er fror wie kein zweiter. Sie beschlossen, sich in das nächste Dorf zu begeben, um etwas zu Essen und zu trinken zu holen. Während sie liefen, erzählte Sith weiter. „Ein paar meiner Verwandten hatten sich auf den Weg gemacht und wollten der Sache auf den Grund gehen. Sie fanden heraus, dass es einen Verräter unter unserem Volk gegeben hatte, noch dazu einen Schamanen. Er ließ sich für Gold von den Wüstenratten bestechen, die es gerne etwas kälter mögen. Nun spielt er Gott und versucht, die ganze Landschaft in ein Eisland zu verwandeln. Er weiß ganz genau, dass dort nur die Wüstenratten und er selbst überleben können, doch das ist ihm egal.“ Sith seufzte erneut. „Nun müssen wir praktisch nur diesen Schamanen besiegen, oder?“, fragte Kenichi. „Tja, aber das ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Er hat die Naturgewalten in seinen Händen und die anderen Schamanen auszumachen dürfte ziemlich schwierig werden.“ „Wie viele gibt es denn?“, fragte Tima neugierig. „noch 2, aber ich schätze, dass die Wüstenratten diese so schnell wie möglich ausschalten wollen.“ Das stellte ein Problem dar, zumal Sith die beiden auch nicht ununterbrochen tragen konnte. Er erklärte, dass diese Welt so groß sei, wie die der Beiden und dass sie somit praktisch die Nadel im überdimensionalen Heuhaufen suchten.

Die nächste Stadt war nicht einmal eine halbe Stunde entfernt gewesen und dort gab es wieder jede Menge zum staunen. Die Häuserformen waren so abstrakt, dass Kenichi und Tima sich wunderten, dass sie überhaupt stehen konnten. Es kam ihnen fast so vor, als würden die Häuser eine vierte Dimension besitzen, die alles bisher da gewesene in den Schatten stellte. Auf den Straßen standen vereinzelt ein paar große Wesen mit unzähligen kleinen Buckeln auf ihrem Rücken und einem Mund, der von einem Ohr zum anderen reichte. Ihre Haut war dunkelgrün und sie besaßen keine Arme, dafür doppelt so lange Beine. Sith sagte, das seien Krotamen und sie bräuchten keine Arme, weil sie alles mit der Zunge erledigten. Komischerweise standen alle nur herum, so dass keiner von ihnen irgendeine Tätigkeit vollführte. Das einzige was sie taten war schauen. Sie stritten sich um Plätze und es wurden immer mehr, bis sich einige auf den Kopf eines Anderen setzten, nur um die Menschen zu sehen. So etwas war ihnen noch nie zuvor begegnet, denn sie konnten diese Schwäche in ihnen spüren. Gegenüber den Drachenmenschen verhielten sie sich unterwürfig, weil die bei weitem stärker waren, aber diese beiden da unterschieden sich so extrem, man konnte sagen, dass sie gegensätzlicher nicht sein konnten. „Sind das die einzigen Wesen, die hier leben?“, fragte Kenichi und sah sichtlich enttäuscht aus. „Das hier ist ein Arbeiterlager. Die Krotamen werden von fast allen Wesen auf diesem Planeten als Diener gehalten. Hier kommen sie nur her, wenn sie schlafen oder essen wollen.“ Es sah zwar in keiner Weise so aus, als ob sie eines von Beiden tun wollten, aber Kenichi hielt sich mit seinem Kommentar zurück. „Wie spät ist es?“, fragte Tima und Kenichi blickt auf seine Uhr. Eine schwarze Rolex mit einem goldenen Ziffernblatt und ebenfalls vergoldeten Zeigern, welche sich komischerweise Rückwärts bewegten. „Das...das kann unmöglich sein! Die Uhr dreht die Zeit zurück.“ „Eure Technik könnt ihr hier vergessen. Wenn bei euch Tag ist, ist es hier Nacht, es dürfte also jeden Augenblick hell werden.“ Sie setzten sich an den Straßenrand und machten eine kurze Pause. Zum glück waren die Steine nicht genau so kalt wie der Sand außerhalb der Stadt. „Bis hier in die Stadt scheint er mit seinem Zauber noch nicht gekommen zu sein. Mal sehen, wie lange er noch braucht. Bis dahin brauchst du eine Waffe.“, sagte er zu Kenichi gerichtet. Tima überlegte sich, ob sie nicht auch ein bisschen von Kenichi lernen konnte, damit sie auch helfen konnte, aber er sah viel zu geschafft vom zurückliegenden Ereignis aus, als dass er ihr auch noch hätte kämpfen beibringen können. Kenichi holte eine Zigarette aus seiner Tasche und nahm sie in den Mund. Seit er wusste, dass er sitzen bleiben würde, hatte er angefangen zu rauchen. Seine Eltern – selbst Kettenraucher – bekamen davon in dem Fall nichts mit, aber sie hätten es ihm ja ohnehin nicht verbieten können. Es wäre schon etwas merkwürdig gewesen, wenn starke Kettenraucher versuchten – womöglich mit Zigarette im Mund – ihrem Sohn zu erklären, rauchen gefährde die Gesundheit. „Hat jemand Feuer?!“ Tima fragte, ob er noch eine hätte, denn auch sie hatte sich vor kurzem dazu entschlossen, zu rauchen. Ihre Eltern allerdings hatten Wind davon bekommen, weshalb sie dies immer heimlich getan hatte. Kenichi holte noch eine weitere Zigarette hervor und gab sie ihr. Nun brauchten sie nur noch Feuer. Beide hatten sie ihr Feuerzeug vergessen mitzunehmen, doch als Kenichi seine Zigarette wieder wegstecken wollte, machte Sith eine Handbewegung, die Aufmerksamkeit erregen sollte. Beide sahen ihn verwundert an. Was würde er jetzt wohl tun. Er nahm die Finger wie beim Schnipsen zusammen, tat selbiges, jedoch mit dem netten Nebeneffekt, dass sich nun auf seinem Daumen eine kleine Flamme breit machte. Sie leuchtete hell und schien ihm nicht wehzutun. Beide nahmen dankend an und hielten ihre Zigaretten hinein. Inzwischen wunderte sich nichts mehr wirklich. Dazu hatten sie in den letzten 24 Stunden einfach zu viel erlebt. „Hört ihr das?!“, fragte Sith die anderen, doch sie verneinten. „Wir müssen weiter und zwar schnell!!“, sagte er aufgeregt und so langsam spürten auch Kenichi und Tima, dass etwas nicht in Ordnung war. Es war nicht so, dass sie es im Boden oder so spürten, es war eher der gesunde Menschenverstand, ihre Intuition, die den Beiden mitteilte, dass Sith recht hatte. Er ging in die Mitte der Straße und begann sich wieder zu verwandeln. Es schien dieses Mal eindeutig schneller zu gehen, oder aber Kenichi und Tima waren einfach schon darauf gefasst, was Geschehen würde, so dass es sie nicht mehr interessierte, wie lange es dauerte. Trotzdem sah es sehr imposant aus. Während „er“ sich immer mehr in ein „es“ verwandelte, schienen die beiden ein Zigaretten-wett- aufrauchen zu veranstalten, mit dem simplen Ziel, als erster fertig zu sein. Sie wurden pünktlich genug fertig, so dass sie mit dem letzten Zug vor ihm standen, den Rest der Zigarette in den Sand schmissen und sich unter seine Arme klemmen ließen. Mit einem heftigen Ruck stieg Sith auf in die Lüfte, von wo er sich erst einmal ein wenig gleiten ließ. Sie waren keine Sekunde zu spät losgeflogen, denn unter ihnen sahen sie plötzlich eine riesige Menge von Wesen mit langer, spitzer Schnauze und pelzigem Körper und einem langen, farblos geringelten Schwanz. „Wüstenratten. Das sind unsere Feinde!“ Sie schauten noch eine weile von oben zu, wie die Wüstenratten die Krotamen in einem blutigen Gemetzel in Grund und Boden stampften, bis ihnen der Anblick zu widerlich wurde. Kenichi fragte zwar, warum wir nicht eingreifen würden, aber er war auch viel zu geschockt, um zu begreifen, wie viele da unten waren. Sie hätten nicht den Hauch einer Chance gehabt. So flogen sie von dannen, unter ihnen eine karge Wüstengegend, von der weite Teile mit Eis bedeckt waren, über ihnen der Himmel, dessen nächtliche schwärze von der Sonne vertrieben wurde, so dass das Eis unter ihnen in den schönsten Farben schillerte, sie allerdings auch blendete. Weit und breit gab es unter ihnen nur Sand und Eis, Stunde um Stunde flogen sie geradeaus und Kenichi wurde sich erst jetzt den Ausmaßen dieses Planeten bewusst. Doch plötzlich, ohne Vorwarnung stürzten sie in die Tiefe. Sith hatten nicht etwa die Kräfte verlassen, das war das erste, woran Kenichi gedacht hatte, nein, er war bei vollem Bewusstsein, doch er landete ziemlich unsanft auf dem Boden. „Was ist los, warum landen wir hier inmitten dieser Wüste!?“, fragte Tima aufgeregt. Sith grinste, doch hielt er sich zurück mit einer Äußerung. „Garratas Tora mon Atun!“, schrie er mit ausgestreckten Armen. Seine Hände begannen lila aufzuleuchten und er führte sie langsam vor seinem Körper zusammen. Die Arme immer noch nach vorne gestreckt, mit ausgefahrenem Zeige- und Mittelfinger lief er Zehn Schritte geradeaus, machte halt und Schoss aus seinen Fingerspitzen eine riesige Kugel. Ihre sie war Pechschwarz, doch um sie herum wirbelte eine Art lila Nebel, der das ganze Geschehen noch ein wenig mystischer Aussehen ließ. Kenichi und Tima stockte der Atem. Die Kugel verschwand vor ihren Augen verschwand die Kugel in einer unsichtbaren Wand, welche sich nach beiden Seiten weg, so weit das Auge reichte, wie Wasser bewegte. Sie schlug winzige Wellen und ließ das unsichtbare kleine Kreise bekommen, durch die das, was es zu verhüllen versuchte, Sichtbar wurde. Von diesem einen Punkt aus, der zu einem Loch geworden war, bildete sich ein ganz neues Bild. Weiterhin sah es so aus, als wenn Wellen schlagen würden, doch dieses Mal entfernte sich dabei mit jeder Welle das Bild von der Wüste immer weiter zu den Seiten und vor ihnen entstand einen Graslandschaft, mit Bergen am Horizont, den schönsten Blumen, von denen es viele in unserer Welt gar nicht gab und.... „DRACHENMENSCHEN...“, sagte Tima erstaunt als zwanzig von diesen Wesen in den unterschiedlichsten Farben, von Blutrot, wie Sith, über Feuerrot, sämtliche grün- und blau Töne und einem grauen Wesen. Sie allen kamen und begrüßten Sith herzlich.
9.8.06 00:17


Fantasy - Eisland 3

Eisland 3

„Schön, dass du wieder da bist, Sith, aber was ist das, was du da bei dir hast. Das sind keine von uns!?“, sagte ein wahrscheinlich weibliches Wesen mit einer giftgrünen Haut, wobei sie neugierig auf Kenichi und Tima zeigte. Ein wasserblauer, etwas korpulenter Drachenmensch kam auf die Beiden zu und schaute sie sich an, dann schnupperte er an ihnen wie ein Hund. „Sie sind zu schwach um sich zu wehren, lasst sie uns essen!“, sagte dieser und packte Kenichi am Arm. Sith schoss aus seiner Hand eine riesige Feuerkugel, die den Drachenmenschen vollkommen einschloss, ihm aber nur wenig Schmerzen zufügte. Sie diente eher dazu, ihn davon abzuhalten die beiden zu essen, statt ihm wehzutun. Die Flammen hörten schon nach kurzer Zeit auf. „Sag mal, glaubst du, nur weil du der Sohn des Dorfgründers bist, kannst du dir alles erlauben? Ich werde dir gleich eine gehörige Portion Respekt beibringen!!“, schrie dieser sichtlich erzürnt über Sith’ s Tat. „WAG ES, IHM NUR EIN HAAR ZU KRÜMMEN UND ICH LASSE DICH ÖFFENTLICH HINRICHTEN!!!“, schrie eine dämonische Stimme weit hinter ihnen, die alle erschaudern ließ. Nur Sith sah erleichtert aus. „Papa.“, sagte er und freute sich richtig, als ein gut doppelt so großer Drachenmensch mit pechschwarzer Haut auf sie zukam. Er hatte kein Oberteil an, so dass man seine Brust sehen konnte. Sie sah irgendwie so aus, als wäre sie bloß von einer dünnen Hautschicht überzogen worden, im Vergleich zu den anderen Körperteilen, die wie eine Art Panzer wirkten durch die im Licht leicht gräulich schimmernden Schuppen. Tima und Kenichi bekamen Angstzustände, als er vor ihnen stand. Er war wirklich riesig verglichen mit den anderen Drachenmenschen. Freundlich reichte er ihnen die Pranke. An seinem Gesichtsausdruck konnte man nicht erkennen, ob er das aus reiner Freundlichkeit oder aus irgendeinem anderen Grund tat, aber Kenichi griff mutig zu. Er konnte mit Müh und Not zwei Finger von ihm umschließen und Tima schaffte nur einen Einzigen. Sie hatte ohnehin recht kleine Hände. Nun kamen auch die anderen auf die Beiden zu und reichten ihnen die Hand. Nach knapp 10 verschiedenen Händen in verschiedenen Farben blieben sie aber bei einem freundlichen „Hallo allerseits.“, welches umgehend erwidert wurde, dicht gefolgt von einem weit umfassenden Staunen, dass sie ihre Sprache sprachen. „Was seid ihr!?“, fragte der dicke blaue. In dem Moment zwängte sich der graue, etwas kleinere Drachenmensch, an dem die Zeit schon genagt hatte. Seine Augen waren nur noch kleine, schmale Schlitze und das spärlich vorhandene Haar auf seinem Kopf hatte auch schon eine weiße Farbe bekommen. „das sind Menschen, sozusagen unser Gegenstück. So ist es doch, oder?“, seine Frage war an Kenichi gerichtet, welcher nickte. „Warum hast du diese Menschen in unser Reich gebracht!?“, fragte Sith’ s Vater. Er antwortete nur mit einem: „Wir werden sie brauchen können...“ und wechselte sofort das Thema: „Was ist Geschehen, während ich weg war?“ „Komm, wir setzen uns an ein Lagerfeuer und bereden das alles bei einem guten Happen zu essen und etwas zu trinken.“, schlug sein Vater vor, was besonders dem Wasserblauen gefiel. Es war zwar nur ein Vorurteil, dass alle dicken Wesen immer verfressen waren, aber wie man sah, traf das auch oftmals zu. Sie gingen den Weg in das Dorf hinein. Schon von weitem konnte man die Häuser sehen, die wie Berge geformt waren, allerdings vollständig aus Lehm bestanden. Sie waren riesig und Kenichi fragte sich, woher sie das ganze Lehm hatten. „Sind eure Häuser robust?“, fragte Tima und nahm Kenichi somit die Worte aus dem Mund. „Das sind doch keine Häuser!“, sagte ein dünnes, weibliches Drachenwesen verärgert. „Das sind unsere Horste.“ Das wiederum verwunderte Kenichi und Tima, doch der alte erklärte es ihnen. „Genauso, wie bei euch die Adler ihre Nester bauen, bauen wir unsere. Bei den Adlern heißen sie doch auch Horste.“ Das war ihnen bewusst, aber warum schliefen sie nicht in den bergen!? Ohne die Frage laut auszusprechen antwortete Sith darauf: „Es wäre viel zu warm in den Lehmbergen, wenn wir uns dort aufhalten würden. Wir sind zwar gegen Hitze fast Resistent, aber warum sollten wir uns das Antun?“ Sie kamen an einem Bach vorbei, der das Dorf vom Schutzschild, bzw. dem Eingang des Gebiets, trennte und mit einem leisen rauschen von einer zur anderen Seite des Horizonts reichte. In ihm schwimmten kleine Fische, die bunt schillerten, die unterschiedlichsten Formen besaßen und die noch nie ein anderer Mensch zuvor gesehen haben vermochte. Es sah alles so unreal aus. Die Häuser, die Berge waren, die Fische, die komische Formen hatten, dieser Haufen Sand, der so kalt war und diese verschiedenen Wesen, das alles machte Tima zu schaffen. Sie fragte sich, ob sie es je wieder nach Hause schaffen würden, in ihre Welt, in ihre Häuser und mit ihren Fischen im Aquarium und mit den Menschen und Tieren, die ihnen vertraut waren. Sie gingen über die kleine, alte Holzbrücke und betraten das Dorf. Das Schild, dass hinter ihnen den Weg freigegeben hatte, schloss sich langsam wieder, allerdings nicht schnell genug, denn jemand hatte sie die ganze Zeit beobachtet.

Als sie am Dorfplatz ankamen, holten zwei von den Drachenwesen etwas Feuerholz aus der Lagerhalle, welches sie auf einen Haufen warfen und es mit einem kleinen Feuerschuss anzündeten. Tima hatte etwas Angst, denn sie wusste, wäre Sith’ s Vater nicht gekommen, wären sie jetzt nur noch ein Haufen Knochen, vielleicht nicht einmal das. „Okay, Gareth, du schmiedest ihm ein Schwert nach seinen wünschen, er braucht ein sehr leichtes, also streng dich an.“ Ein großer, kräftiger Drachenmensch mit gelber Haut kam zu Kenichi und sie Beide gingen in die Schmiede. Zugegeben, er sah etwas makaber aus, denn ein Drache mit gelber Haut- noch dazu so ein knalliges Sonnengelb- war nicht unbedingt schön. Seine Farbe passte auch nicht zu seiner Größe und der ganzen Art wie er sich verhielt, so grob und unfreundlich, wobei Kenichi fast glaubte, dass das nur daran lag, das er ein Schwert für IHN schmieden musste. Kenichi erklärte ihm, wie sein Schwert in etwa auszusehen hatte und er suchte sich den nächstbesten Gegenstand, der ungefähr das Gewicht besaß, wie sein Schwert es haben sollte- es war ein Stein von der Größe eines Fußballs- und zeigte ihm diesen. „Muahahaha...mit so einem leichten Schwert wollt ihr kämpfen? Ihr seid euch wohl nicht darüber im klaren, dass die Wesen hier euer Schwert wie ein Stück Holz zerbrechen werden!?“, fragte dieser belustigt. Kenichi sagte nur, dass es sein und der Wunsch von Sith war und er ihn auszuführen hatte. Er war sich darüber im klaren, dass er sich nicht mit Sith anlegen sollte, denn sonst würde er sich mit dem Dorfgründer anlegen und das war nicht besonders wünschenswert. „Wie lange braucht ihr ungefähr?“, fragte Kenichi voller Vorfreude auf sein Schwert. „Für so eine Feder brauche ich vielleicht eine Stunde, aber es muss auch noch abkühlen, also würde ich mit 1 ½ rechnen. Aber ich frage euch noch einmal in aller Höflichkeit, wollt ihr es nicht doch wenigstens mit einem schwereren Schwert versuchen?“, er klang fast besorgt um Kenichi’ s Gesundheit, welche seiner Meinung nach arg in Gefahr war, wenn er nur mit diesem Zahnstocher kämpfte. Kenichi beruhigte ihn ein wenig: „ich werde es schon zu nutzen wissen, vertraut mir.“ Er vertraute sich nicht einmal selbst. Er wollte lediglich cool wirken, damit er selbst daran glaubte, aber die Worte von Gareth hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Er bekam Zweifel, ob er etwas mit seinem Schwert bewirken konnte. Tima lief zu ihm. Sie erkannte, wie er an sich selbst zweifelte und machte ihm Mut: „Du schaffst das schon. Keiner kann dir etwas anhaben, wenn du mit dem Schwert kämpfst. Vertrau dir, du wirst sie alle erledigen.“ „Darin liegt das Problem. Ich habe noch nie jemanden getötet...“ „Dann denk doch einfach daran, dass du nicht JEMANDEN, sondern ETWAS tötest.“ Mit diesem Gedanken konnte er sich anfreunden. Es war eine Sache, einen Menschen zu töten, das wusste er, dass er das niemals könnte, aber das sind bloß Wesen, die er nicht kannte und wahrscheinlich nie wieder sehen musste, wenn er hier fertig war. Damit konnte er leben. Arm in Arm ginge sie zum Lagerfeuer zurück und setzten sich neben Sith, denn die anderen Drachenmenschen behagten ihnen weiterhin nicht. „soviel zu unserer Momentanen Lage. Wir haben einen der Beiden Schamanen im Norden ausgemacht, konnten ihn allerdings nicht dazu überreden uns zu helfen. Er sagte uns lediglich, dass sich der zweite von ihnen nicht weit westlich von hier aufhalten würde. Bis jetzt haben wir ihn aber noch nicht entdecken können.“, sagte Sith’ s Vater. Kenichi fiel eine Frage ein, die er nach kurzem zögern laut stellte: „Sind wir hier eigentlich von Wüste eingeschlossen, oder erstreckt sich dieses Grasland noch viel weiter?!“ „Das ist die andere hälfte dieses Planeten. Unser Planet ist in einen gesunden, fruchtbaren und einen ausgetrockneten, sandigen Teil gespalten. Beide werden durch dieses Schild, das man nur durch einen Spruch und die dazugehörige Bewegung öffnen kann, getrennt, so dass die Wüstenbewohner diese Hälfte nicht betreten können.“ Gareth setzte sich wieder zu ihnen. Wahrscheinlich war er fertig mit dem Schwert, sodass es nur noch zu kühlen brauchte. Kenichi wurde immer ungeduldiger. Er wollte sein Schwert sehen, es in der Hand halten und führen, aber er wusste, dass es noch zu heiß war. „Es brauch noch ungefähr eine halbe Stunde, bis du es anfassen kannst.
In diesem Moment knallte es laut.

„WAS WAR DAS!?“, schrieen alle wie aus einem Munde und drehten sich erschrocken um. Hinter ihnen geschah etwas eigentlich unmögliches. Der Schild öffnete sich, wie er es zuvor bei Sith getan hatte, und zum Vorschein kam erst eine, dann eine ganze Horde Wüstenratten. Alle waren sie bis an die Zähne bewaffnet und sie waren bereit zu töten. „AAAAANGRIIFFF!!!!“, brüllte der Oberbefehlshaber von ihnen. Er war, wie sollte es anders sein, viel größer als die anderen Wüstenratten, jedoch war er nun ungefähr so groß wie Sith, was bedeutete, dass die Wüstenratten ein kleines Volk waren. Aber sie waren schnell, hatten eine ungeheure Ausdauer und waren gerissen im Kampf. Sofort fuhren die Drachenmenschen hoch, flogen zu ihren Horsten, die auf ihren „Bergen“ lagen und holten sich ihre Waffen. Kenichi und Sith machten sich auf den Weg zum Schmiedeplatz. Kenichi rannte so schnell er konnte und konnte sogar mit Sith mithalten. An ihrem Ziel versuchte Kenichi sein Schwert zu greifen, doch er ließ es wieder fallen und hielt sich die schmerzenden Hände. „es ist zu heiß, damit kann ich nicht kämpfen.“, sagte er verärgert. Sith fasste einen Entschluss: „Gut, dann muss es wohl sein. Ich kann für nichts garantieren, aber wenn es stimmt, was der Dorfälteste mir gesagt hatte, dann wirst du gleich dein Schwert halten können, ja sogar meines.“ Er hob das Schwert vom Boden auf, hielt seine Pranke nach vorne und verpasste sich eine Wunde mit dem Schwert, direkt auf dem Handrücken. Sie blutete nur leicht und war schon wieder am verheilen, weshalb er sich beeilte. Kenichi wusste, was er vorhatte, auch wenn er sich nicht erklären konnte, warum. Ohne zu zögern hielt auch er seine Hand nach vorne und ließ sich stechen. Beide bewegten ihr Handflächen aufeinander zu und als sie sich berührten, als ihr Blut sich vermischte, da fühlte Kenichi den Grund. Seine Augen blitzten auf. Ihn durchschoss eine Kraft, wie sie noch nie zuvor da gewesen war und er spürte, wie sich die Wunde auf seiner Hand zu schließen begann. Seine Zähne wurden spitzer, jedoch passten sie sich perfekt an, so das er keine Lücken zwischen den Zähnen hatte. Sein Blick wurde etwas finsterer, allerdings war das schon fast alles, was sich veränderte, zumindest äußerlich. Er spürte, wie seine Kraft ins unermessliche stieg und er sah auf seinen Handrücken. Die Wunde hatte sich geschlossen. Sith reichte Kenichi sein Schwert und er packte es, als wäre es kalt wie Eis. „Bin ich jetzt auch ein Drachenmensch!?“, fragte er verwundert. Sith schüttelte den Kopf: „Du bist jetzt ein Mischblut. Der Alte sagte mir, dass Mischblütler sich vereinzelte Fähigkeiten, wie die Feuerresistenz und die Stärke und Geschwindigkeit zu nutze machen würden und sich ihr äußeres ein klein wenig verändern würde. Ich habe es noch nie gesehen und bin selbst erstaunt, dass es so gut geklappt hat.“ Er hörte im Hintergrund die Schreie der Wüstenratten und der Drachenmenschen, sah, wie die Drachenmenschen sie packten und mit ihren scharfen Krallen zerrissen, wie ein paar alte Federkissen, erkannte allerdings auch, dass die Ratten mit ihren Schwertern den Drachenmenschen übel zusetzten. Sith’ s Vater flog hoch und atmete tief ein. Seine Lungen dehnten sich auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Größe aus und die dünne haut auf seiner Brust begann hell zu leuchten. „Jetzt wird’s feurig!“, sagte Sith unbeeindruckt. Sein Vater atmete kraftvoll aus und spie dabei einen riesigen, heißen, rotgelben Feuerstrahl aus, der viele von den unzähligen Wüstenratten verbrutzelte. Einige rannten brennend und vor schmerzen schreiend durch die Gegend, andere fielen sofort zu Boden und zerbröckelten in einzelne, schwarz verkohlte Teile. Dann hörte Kenichi Tima’ s Hilferuf. Er rannte zurück zum Platz, doch er konnte sie in diesem Gemetzel nicht finden. Sie schrie allerdings so laut, dass er sein Gehör nutzte um ihre Richtung auszumachen. Zwischen ein paar kämpfenden durchguckend, erblickte er sie. Er packte sein Schwert verkehrt herum, so dass seine Klinge nach unten zeigte, während er die Hand normal hielt und rannte von der Seite aus auf die Ratte zu, welche wild vor Tima mit einem Schwert herumfuchtelte. Sich wich jedoch geschickt genug aus, bis sie hinfiel. Kenichi brauchte noch ein paar Meter. 50. Er wich geschickt einer Ratte aus, die ihn von der Seite attackierte, ließ sie stehen und rannte weiter.40. Er trat einen Leichnam von den Drachenmenschen zur Seite und gab noch einmal alles. 30. er atmete schwer, konnte nun aber nicht stehen bleiben. Sein Herz pochte und sein Kopf drohte zu explodieren. Sein Blut kochte und er konnte das weiße in den Augen der Ratte erblicken, die Tima den Gnadenstoß geben wollte.20. Er sprang aus voller Kraft nach vorne riss seinen rechten Arm nach vorne und flog an der Ratte vorbei. Sein Schwert durchtrennte sie in der Mitte, wie als wenn es durch Butter gleiten würde. Er landete geschickt und schlidderte noch ein wenig weiter. Seine Augen funkelten und er hatte eine Mordlust entwickelt, die er sich vorher nie hätte träumen können. Die Ratten konnten kommen. . .
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Fantasy - Eisland 4

Eisland 4

Er roch das frische Blut, als die beiden Hälften der Ratte zu Boden fielen und die Einzelteile ihren Kostbaren Lebenssaft verloren. Er drehte sich zu Tima um. Seine Augen waren weit geöffnet und starrten sie an. Sie zitterte am ganzen Körper, denn sie konnte in seinem Blick erkennen, dass er nicht mehr derselbe war. Er kam einen Schritt auf sie zu und hielt ihr die Hand hin. Vorsichtig griff sie danach und als sie sich berührten, grinste er über das ganze Gesicht, sodass sie seine langen spitzen Zähne erkennen konnte. Sie wusste, sie konnte ihm vertrauen, denn tief in ihm war er noch immer der kleine, unschuldige Kenichi. Er half ihr hoch, umarmte sie und sprang mit ihr auf eins der Häuser, wo er sie absetzte, sie noch einmal angrinste und mit einem gewaltigen Sprung verschwand. Sie sah ihm nach. Was war das für ein Gefühl. Sie hatte Angst, aber gleichzeitig fühlte sie sich bei ihm in Sicherheit. Er stürzte aus riesiger Höhe auf die Wüstenratte herab, wie ein Adler, der seine Beute entdeckt hatte und holte mit dem Schwert aus. Die Ratte hielt schützend den Arm nach oben, aber dieser wurde von seinem Schwert und von der Wucht des Aufschlags durchtrennt, genauso wie er mit seinem Schwert durch den Körper, wenn auch etwas schief, hindurch glitt. Von rechts neben dem Hals bis zum linken Beinansatz zertrennte er die Ratte, welche tonlos, dafür aber blutend zusammenfiel. Der Arm zuckte auf dem Boden und Kenichi trat noch einmal drauf. Die Drachemenschen waren in der Unterzahl, doch hielten sie die Angreifer tapfer zurück. Die Ratten kämpften mit ihren scharfen Waffen und nutzten ihre Schnelligkeit zu ihrem Vorteil. Sith schoss aus seinen Händen viele Feuerkugeln, bis er erschöpft zusammenbrach und sich drei oder vier von den Wüstenratten auf ihn stürzten. Sie durchstachen seinen Arm und verfehlten jeweils knapp seinen Hals. Kenichi kam von hinten an, durchbohrte eine Ratte mit seinem Schwert, zog es zur Seite weg, sodass er sich den Weg aus dem Körper wegschnitt, zerteilte nebenbei noch eine weitere Ratte und verpasste der letzten einen Tritt, damit sie von Sith herunterfiel. Mit einem unglaublich schnellen Schlag durchtrennte er den Hals der Ratte. Ihr Kopf wurde mitgerissen und flog in hohem Bogen in die Mitte des Kampfplatzes. Kurze Zeit später wurde er von einem Drachen zertreten. Überall lagen Körperteile und Blutlachen, rund um sie herum hörte man entsetzte Schreie, die sowohl Schmerzen, als auch pure Wut zum Ausdruck brachten und es wurden immer weniger Ratten. Die Drachenmenschen konnten langsam die Oberhand gewinnen, mobilisierten ihre letzten Kräfte und rannten auf die Ratten zu. Trotz allem waren diese in der Überzahl und auch sie wollten nicht klein Beigeben und taten den Drachenmenschen gleich. Sie schrieen, stellten sich neben- und hintereinander auf und rasten auf die Drachenmenschen zu. Beide Fronten prallten aufeinander und vermischten sich binnen Sekunden zu einem Einzigen, schreienden Haufen, in dem jeder jeden Angriff. Man konnte in diesem Getümmel nicht den Überblick behalten, weshalb die Ratten und die Drachenmenschen zum Teil auch ihre eigenen Leute verwundeten. Sith kam zu Kenichi, der sich das ganze eine Zeit lang ansah. Sith’ s Arm war wieder Gesund, aber er hatte viel Blut verloren. „Wieso könnt ihr sterben, wenn ihr euch doch regenerieren könnt!?“, fragte Kenichi und schien erst jetzt das Ausmaß des Kampfes zu registrieren. Überall lagen kleine Leichen, verkohlt, zerstückelt oder aufgespießt, zertreten, erwürgt oder einfach nur unter Erschöpfung zusammengebrochen und dann überrannt worden. Zwischendurch dann die großen Leichen der Drachenmenschen, ebenfalls zerstückelt, enthauptet oder vollkommen durchlöchert worden. Alle ihre Körper wiesen jedoch keinerlei wunden auf, man konnte sie nur noch erahnen, denn alles lagen in einer gewaltigen Blutlache. „Wir können nur sterben, wenn wir zu viel Blut verlieren, unsere Wunden regenerieren sich trotzdem. Es sei denn, wir werden enthauptet. Die Wunde ist zu groß, als dass sie sich schließen könnte.“ Sith sah vollkommen erschöpft aus. Kenichi sah erst ihn, dann sein eigenes Schwert an und erkannte, dass es schon brüchig war. Es hatte überall kleine Risse durch die harten Panzer der Gegner bekommen. Sorglos schmiss er es weg. Sith überreichte ihm seines. „Aber...du brauchst es doch selbst noch.“ Sith schüttelte den Kopf: „Ich werde es nicht mehr benötigen. Nimm es und zeige allen, dass du der beste Schwertkämpfer des Universums bist.“, sagte er und Kenichi sah, wie ihm eine einzelne Träne die Wange entlang floss. Sie fiel herunter und Kenichi fing sie mit einer Hand auf. „Auf Wiedersehen.“, sagte Sith und drehte sich um. Er lief in die Mitte des Platzes, umgeben von Leichen und Blut. Kenichi führte die Hand zum Mund und leckte die Träne weg. Sie schmeckte süßlich, ganz anders als unsere Tränen. Kenichi verstand, was Sith vorhatte. Diese Träne war die, eines gebrochenen Drachenmenschen. Er hatte nichts mehr zu verlieren, denn auch sein Vater war unter den Toten. Jetzt war ihm alles egal. Er kreuzte die Arme vor dem Gesicht und verpasste sich mit den Fingernägeln auf beiden Seiten eine Wunde auf der Wange, welche sofort Feuer fing. Sein blut brannte. Die beiden Wunden unter seinen Augen und das Blut, dass langsam herunterfloss, brannten lichterloh. Er sah wild entschlossen aus, alles zu geben, einen Kampf auf Leben und Tod, doch er würde nicht alleine sterben, dass stand fest. Er faltete die Hände, als ob er beten würde und flüsterte vor sich ein paar Worte, die Kenichi nicht verstand, aber sie hörten sich so ähnlich an, wie die, die er gesprochen hatte, als er den Schild deaktivierte. Tima hatte es irgendwie vom Berg heruntergeschafft und kam auf Kenichi zugerannt. „Tu doch etwas, er wird sich noch umbringen.“ „Zu spät.“, sagte er. „Niemand kann ihn jetzt noch aufhalten.“ Sein ganzer Körper wurde von diesem lila Nebel eingehüllt, wie zuvor die Kugel und er schloss die Augen. Langsamen Schrittes ging er auf die kämpfende Menge zu. Seine Artgenossen bemerkten, wie sich seine Aura verändert hatte. Er war nicht mehr zu retten. Ohne Vorwarnung hörten alle auf zu kämpfen. Es war absolut still. Das einzige, was man hören konnte waren sein Schritte und das Wimmern einiger verletzter. Das Feuer, welches überall fackelte erlosch, als er an den Flammen vorbei lief. Nun war es dunkel und man konnte nur noch seine leuchtende Lila Aura erkennen. Alle machten ihm Platz. Eine von den Ratten stürzte sich Todesmutig auf ihn, doch wurde sie von einem ihrer Artgenossen niedergestreckt. Es war aus, dachten sie. Niemand konnte sie jetzt noch retten. Keiner konnte sich rühren, erst als er in der Mitte des Kampfplatzes stehen blieb, konnten die Drachenmenschen reagieren. Sie sprangen in die Luft und flogen so schnell es ging davon. Sith öffnete die Augen. Sie entflammten. Er drehte sich langsam und auf der Stelle im Kreis. Kenichi befreite sich aus seiner Starre und packte Tima an der Hand. Sie reagierte nicht sofort, aber er zerrte sie hinter sich her. Er rannte los, er musste sich hinter einem der berge verstecken, sonst war es aus. Sith drehte sich immer schneller. Vereinzelte Ratten schafften es, den Blick von ihm loszureißen und davon zu rennen. Doch die Brücke war zerstört und sie konnten nicht schwimmen. Eine von ihnen sprang mutig ins Wasser, aber es war zu tief, als dass sie hätte drin stehen können und so wurde sie von der Strömung mitgerissen. Kenichi rannte um sein Leben, schleifte Tima mehr hinter sich her, als dass sie rennen konnte, Sith blieb stehen, seine Aura wechselte die Farben, von lila zu blau, von blau zu grün, von grün zu gelb. Er breitete die Arme aus und schrie so laut er konnte. Sein schrei hallte in den Bergen wieder. Kenichi schmiss sich hinter einen dieser Berge, zog Tima zu sich heran und legte sich über sie, um sie weitestgehend zu schützen. Die Gelbe Aura schoss von Sith hinweg, markierte, wie weit das nachkommende reichen würde. Es reichte viel weiter, als bis zu dem Berg, wo Kenichi und Tima hinter lagen und so konnten sie nur noch hoffen, dass sie es überleben würden. Es zerriss Sith von innen heraus in seine Atome und die riesige Explosion zersetzte auch die Wüstenratten. Sie standen in einem gewaltigen Feuerball, der sich immer weiter ausdehnte und sie bis auf ihre Knochen verbrannte. Überleben war unmöglich. Kenichi und Tima zitterten, doch komischerweise traf sie die Explosion nicht. Der Berg vor ihnen wurde zu staub verarbeitet, aber die Beiden bekamen nichts von dem Feuer mit, dass sie umschlossen hatte. Kenichi wagte es sich, nach vorne zu schauen. Dort stand ein kleiner, in einem roten Fetzen gekleideter Mann mit einem langen weißen Bart und grauer, faltiger Haut vor ihnen und hielt die Arme seitlich vom Körper weg. Er murmelte wieder diese unverständliche Sprache und schien wie in Trance. Sie waren nun vollends vom Feuer eingeschlossen, aber in einem kleinen Abstand um sie herum berührte es sie nicht im geringsten. Kurz darauf wurden sie Ohnmächtig.

Als sie wieder zu sich kamen, waren sie auf einem freien Feld. Überall roch es nach verbranntem Fleisch und vereinzelt konnten sie noch ein paar verkohlte Leichenteile oder ein bisschen Asche finden, doch ansonsten war nichts mehr in ihrem Umfeld, zumindest nichts lebendiges. „Ja ja ...“, sagte eine raue, alte Stimme hinter ihnen. Dort saß der alte Mann, ohne den geringsten Kratzer und lächelte ein wenig: „es tut mir leid, was ich getan habe. Ich wollte das nicht, ich dachte nur...“ „Sind sie der Schamane, der für diesen SCHEIß HIER verantwortlich ist!!!“, fragte Kenichi sauer. Er konnte und wollte seine Wut nicht unterdrücken. Tima versuchte ihn zu beruhigen, aber er ging auf den alten zu: „WARUM HABEN SIE DAS GEMACHT? WAS HABEN SIE SICH DABEI GEDACHT!!!“ „Es tut mir ja Leid. Ich wollte nur, dass diese eingebildeten Drachenmenschen auch mal erlebten, wie es ist, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.“ Kenichi verstand nicht ganz. „Sie...sie hatten mich ausgestoßen, weil ich keiner von ihnen war. Sie warfen mich aus dieser hälfte des Planeten und drohten mir mit dem Tod, wenn ich noch einmal hier auftauche. Ich wollte mich bloß rächen.....“ Er weinte lautlos. Die Tränen rannten seine Wangen runter, aber er schluchzte nicht. Kenichi wusste nicht, ob er sauer auf ihn sein sollte, aber er war es. Tima stellte sich vor den alten, als Kenichi sich nach einem Schwert umsah. Sie wollte nicht, dass noch mehr Blut vergossen wurde. Der alte schubste sie beiseite: „Ich will euch noch zurück in eure Welt bringen, bevor ich hier auf mein Schicksal warte. Ich werde hier warten, bis die Drachenmenschen zurück sind. Dann werden sie mich töten, aber, ich habe es nicht anders verdient. Ich hoffe, ihr seid mir nicht mehr böse, für meine Fehler, aber ihr müsst verstehen, was im Kopf eines alten Mannes vorgeht, der soeben seine Heimat verloren hat.“ Kenichi beruhigte sich. Er durfte ihn nicht töten, denn er hatte ihnen das Leben geschenkt. Das war ein Beweis dafür, dass er kein von Grund auf böses Wesen war. Der alte stand auf und zeigte Tima an, sie solle sich zu Kenichi stellen, was sie ohne Einspruch tat. Er tippte Beiden auf die Schulter und sagte: „Jetzt könnt ihr in Ruhe euer Eis essen.“ „Woher....?“ Kenichi konnte seine Frage nicht zu Ende stellen, denn sie lösten sich Augenblicklich in ihre Partikel auf.

Ohne Vorwarnung standen sie an der Eisdiele, hatten frische Kleidungsstücke an und Geld in der Tasche. „Wer war das?“, fragte Kenichi und Tima stellte eine Vermutung auf: „Ich glaube, man nennt ihn und seine Artgenossen Götter.“, sagte sie, ohne wirklich daran zu glauben. Sie waren wieder in ihrer Welt, ohne Drachenmenschen, Wüstenratten, Krotamen und Götter. Das war das Einzige, was zählte. Kenichi schaute auf seine Uhr. 14: 01 Uhr. Genau zu dem Zeitpunkt hatten sie die Erde verlassen. Er gab sich selbst eine Backpfeife, orderte sich und Tima, dass sie niemals ein Wort darüber verlieren würden und gingen ihr Eis essen...
9.8.06 00:20


Fantasy - Namenlos 2

Kapitel 2

Karyll träumte. Er war auf dem Friedhof, um ihn herum standen alle Menschen, die er erst vor weniger als einer Stunde gesehen hatte. Der Sarg seines Vaters wurde hinabgelassen. Plötzlich pochte es von innen heraus und sein Vater riss den Deckel ab. Um sie herum wurde es schwarz. Anstatt des Anzugs, in dem sein Vater begraben wurde, hatte er eine schwarze Hose sowie ein blutrotes Hemd mit schwarzen Knöpfen.Ein schwarzer Umhang umgab ihn, waberte in einem Wind, der nur ihn zu umfassen schien. Sein Vater schwebte vor ihm und blickte ihn aus glasklaren, hellblauen Augen an. „Ich werde dich beschützen...“ Er vernahm die Stimme direkt in seinem Kopf, ohne dass sein Vater die Lippen bewegte oder sie aussprach. Angst durchfuhr ihn, doch sein Vater beschwichtigte ihn. „Ruhig. Ich werde dir nichts tun. Ich werde dich beschützen. Nie wird dir ein Leid wie meines widerfahren.“ Seine Augen begannen zu leuchten.“Werde stark mein Sohn. Räche mich.“ Nun drang auch Licht aus seinem Mund. Wie unter Krämpfen dehnte sich der Körper seines Vaters weit nach hinten, dann zerbarst er in eine Wolke aus Staub und Sand. Um ihn herum erschien der Friedhof wieder. Doch dieses Mal stand sein Vater neben ihm und seiner Schwester. Die Mutter war gestorben und wurde begraben. Tränen liefen Karylls Wangen hinab, denn er wusste, dass er träumte, doch genauso wusste er, dass seine Mutter den Stich in die Brust nicht überlebt hatte.

Schockiert wachte er auf. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Eine schwarz behandschuhte Hand reichte ihm einen Schlauch mit Wasser. Gierig trank er daraus. Immer noch liefen ihm die Tränen, bildeten zwei nasse Linien auf seinem Gesicht. Er fühlte sich so schlecht wie noch nie. Ein seltsamer Geruch drang ihm in die Nase. Er schaute an sich herab. Blut klebte an seinen Händen und seiner Kleidung. Er spürte die Schorfkruste zwischen seinen kurzen, hellblonden Haaren. Vermutlich musste er sich beim Sturz eine Platzwunde zugetragen haben. Unbewusst nahm er die Toten um ihn herum war. Sein Werk. Zumindest teilweise. Jemand hatte ihnen die Gnade gewährt und ihre Herzen durchbohrt, auf dass sie keine Schmerzen leiden mussten.
Und genau dieser jemand hatte ihm auch die Wasserflasche gereicht und ihm geholfen.
„Wer....was...wo...?“, fragte Karyll vorsichtig. Sein Kopf dröhnte bei jedem Wort und es fiel ihm schwer, alle Gedanken zu ordnen.
„Ruhig. Leg dich erst einmal wieder hin.“, sagte eine ruhige, kräftige Männerstimme. Karyll befolgte seinen Rat und spürte sofort Besserung. Derweil blickte er seinen Retter an. Der Mann stand neben seinem weißen Ross und putzte sein Schwert mit einem seidenen Tuch. Seltsame Symbole zierten die Klinge der Waffe, welche lang und leicht geschwungen war. Der Griff war aus Gold und mit einigen wertvollen Steinen besetzt. Diese Waffe musste ein Vermögen gekostet haben. Der Besitzer war ein Riese. Er war mindestens zwei Meter hoch, auch wenn Karyll das noch nie so gut einschätzen konnte. Sofort fiel ihm auf, dass er die selbe Art Kleidung trug, wie sein Vater in seinem Traum es getan hatte. Lange schwarze Hosen und Umhang, sowie ein blutrotes, langärmliges Hemd. Die langen hellblonden Haare umrahmten sein spitz zulaufendes, beinahe fies wirkendes Gesicht und der kurze Ziegenbart lies es gleichzeitig erhaben erscheinen. Hellblaue Augen, umgeben von kleinen Falten, ein schmaler langgezogener Mund. Er sah aus wie ein Bösewicht, doch er hatte etwas an sich, dem sich Karyll nicht entziehen konnte.
Macht, schoss es ihm durch den Kopf. Dieser Mann war mächtig. Seine schlanke Gestalt lies es sich vielleicht nicht anmerken, aber als Karyll die große Armbrust sah, welche am Bein des Herren stand, und wenn er sich daran erinnerte, mich welch Leichtigkeit und Geschwindigkeit und Präzision er damit geschossen hatte – aus vollem Galopp heraus – dann musste dieser Mann einen Baumstamm mit einem Schlag entzwei kriegen. Außerdem hatte er ihn gerettet. Warum sollte er Angst vor seinem Retter haben? Vorsichtig versuchte er erneut, sich aufzusetzen. Immernoch drehte sich alles in seinem Kopf, doch es wurde erträglicher.
„Wer seid ihr?“, fragte Karyll, nun mit festerer Stimme.
„Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Trean. Ich war ein guter Bekannter deines Vaters. Ein Jammer, dass man ihn doch noch erwischt hat. Aber alles zu seiner Zeit.“, sagte der Mann mit seiner kräftigen, jedoch melodischen Stimme. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er machte einen großen Schritt über einen Leichnahm hinweg und reichte Karyll die Hand. Vorsichtig griff er danach und spürte, wie Trean kräftig zupackte und ihn mit einem Ruck hochriss, der ihn beinahe in die Luft beförderte. Nun sah Karyll sich die Umgebung genauer an. Ringsherum waren alle Menschen bis auf sie beide tot. Dem Blick des Mannes zufolge, dem Karyll den Finger zerbissen hatte, hatte dieser nicht einmal mehr gespürt wie er starb. Der Schuss war glatt durch den Körper hindurchgegangen und hatte ihm das Herz förmlich zerfetzt. Er musste gestorben sein, bevor er zu Boden gefallen war.
Dann sah er seine Mutter. Der Dolch steckte immer noch in ihrer Brust. Aus ihrem Mund war Blut geflossen und hatte eine kleine Lache unter ihrem Kopf gebildet. Fassungslos starrte Karyll die Leiche seiner Mutter an. Lautlos liefen ihm erneut die Tränen hinunter, während er minutenlang neben seiner toten Mutter kniete. Eine Hand hatte sie um den Griff des Dolches gepackt.
„Vermutlich hat sie selbst ihn herumgedreht, um ihr Leiden zu vekürzen.“, sagte Trean hinter kalt hinter ihm.
Karyll sah den Mann einen Augenblick mit einer Mischung aus Hass, Unglauben und schierem Entsetzen an, dann schluckte er. Welchen Sinn machte es jetz noch, sich mit Trean zu streiten? Das würde ihm seine Familie auch nicht wiederbringen. Dann fiel ihm seine Schwester ein.
„Wo ist Nira?“, fragte er geradeheraus. Trean musste sie gesehen haben, als er die beiden Männer verfolgt hatte. Doch sein Retter wollte nichts gewusst haben.
„Wer ist Nira? Ein Mädchen? Ich habe kein Mädchen gesehen. Vermutlich ist sie in den Wald geflohen.“
Karyll hoffte, dass er Recht hatte. Doch schon lag ihm die nächste Frage auf der Zunge.
„Warum hast du mich gerettet?“, wollte er wissen. Trean lachte.
„Braucht es wirklich einen Grund, jemanden zu retten? Hätte ich dich denn einfach deinem Schicksal überlassen sollen? Obwohl, so wie du hier gewütet hast hättest du mich gar nicht gebraucht.“
Gerade wollte Karyll zu seiner nächsten Frage ansetzen, da machte Trean eine herrische Geste.
„Gut jetzt! Wir sollten erst einmal von diesem Ort des Grauens verschwinden. Alles weitere können wir bei einer heißen Tasse Tee in meinem Heim besprechen. Es wäre durchaus hinderlich für uns, würde man uns inmitten eines Berges von Leichen ausmachen, findest du nicht auch?“, sagte er, immer noch freundlich, allerdings ließen seine Worte auch keinen Widerspruch zu, obwohl Karyll vor einer Sekunde noch hundert Fragen eingefallen waren. Die Vernunft siegte und sie Trean half ihm auf das große, ungesattelte Ross. Ohne sonderliche Anstrengung schwang er sich hinter Karyll, trat seinem Pferd in die Flanken und sie ritten los.

Es dauerte bis in den späten Nachmittag hinein und sie ritten ohne Pause durch. Karyll spürte schmerzhaft seinen Hintern und jeden Knochen in seinem Leib. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie hart der Mann ihn getreten hatte und dass er furchtbares Glück gehabt hatte, nicht einfach daran gestorben zu sein. Doch mit Glück schien sich dieser Kampf nicht erklären zu lassen, allerdings war Karyll viel zu müde, um sich darüber Gedanken zu machen. Vielmehr versuchte er zu erkennen, wo sie sich gerade befanden. Sie waren vor Aloris linkerhand abgebogen, auf einen langen gewundenen Waldweg in Richtung Talaran gekommen, hatten ihn jedoch schon nach kurzer Zeit über einen kaum sichtbaren Trampelpfad mitten im Wald verlassen. Diesem folgten sie nun seit geraumer Zeit.
Gerade, als Karyll in einen dämmernden Zustand verfallen war, schreckte ihn etwas undefinierbares hoch. Vor ihnen war eine Lichtung aufgetaucht, doch etwas an ihr war...irreal. Er konnte es sich nicht erklären, aber es schien ihm, als ob um sie herum plötzlich der Wald verschwimmen würde, die Konturen einmal kurz verwischen würden, nur um dann einen Tick schärfer wiederzukehren. Auch die Farben schienen mit einem Mal kräftiger, lebendiger als zuvor. Dann hatten sie die Lichtung erreicht. Grelles Sonnenlicht blendete Karyll, sodass er die Hand vor die Augen halten musste. Zufälligerweise schob sich in dem Moment eine große Wolke vor die Sonne. Sie hielten an und Trean glitt von seinem Ross.
„Wir sind da.“, verkündete er stolz. „Hier ist mein bescheidenes Heim.“ Er schwenkte seinen Arm allumfassend aus. Als wären Karyll Steine von den Augen gefallen erblickte er ein großes Landhaus in tadellosem Zustand, welches direkt an einem größeren Bach gebaut worden war. Eine schmale hölzerne Brücke führte über das Wasser auf ein riesiges Getreidefeld. Vereinzelt erkannte er Arbeiter zwischen dem mannshohen Korn, wobei es sich durchaus auch um Vogelscheuchen handeln konnte. Links und rechts von seinem jetzigen Standpunkt aus befanden sich saftige grüne Wiesen, die einen kleinen Weg freigelassen hatten, welcher direkt zum Haus führte. Neben dem Haus stand ein beinahe winzig wirkende Scheune, welche vermutlich auch als Stall hinhalten diente.
Vorsichtig kletterte Karyll vom Pferd und wäre beinahe gestürzt, hätte Trean nicht beherzt nach seinem Hemd gepackt. Röte schoss ihm ins Gesicht. Es war ihm peinlich, in der Gegenwart des rätselhaften Mannes so unbeholfen zu wirken. Trean lächelte ihn an, als hätte er seine Gedanken erraten, dann sagte er: „Komm, lass uns hineingehen. Du hast sicher hunger, nach einem anstrengenden Kampf wie diesem.“ Gemeinsam liefen sie den Weg entlang in Richtung Gebäude. Leise zwitscherten die Vögel im Hintergrund, das glaskare Wasser des Baches plätscherte angenehm und eine frische Brise wehte um sie herum, verbreitete den schönen Duft von frisch gemähtem Gras. Selbstständig lief das Pferd zur Scheune, wo ein Junge in gleichem Alter wie Karyll herauskam und es hineingeleitete. An der schwarzen Holztür des großen Hauses angekommen drehte Karyll sich um. Bei allem, was innerhalb der letzten Stunden erlebt hatte, war das seltsamste das, was er jetzt sah.
Der Bach hörte Mitten im Nichts auf....
1.8.06 23:55


Fantasy - Namenlos 1

So, nu hab ich noch ne Sparte für all die tollen Geschichten, die ich in so unregelmäßiger Zeit mal schreibe, dass man sich immer wieder alles von vorne durchlesen muss, um zu wissen, worum es geht^^
Hier ist zum Beispiel etwas, dass ich heute angefange habe und hoffe, demnächst mal weiterzuschreiben, sollte mein Ideenreichtum mich nicht wieder unverhofft verlassen^^

Kapitel 1



„Wir haben uns heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von Harik Neroum, dem allseits geliebten Ehemann und...“, begann der Pfarrer seine Grabrede. Der kleine Friedhof am Rande der Stadt Aloris war gefüllt mit einm guten Dutzend Menschen. Viele waren angehörige der großen Familie Neroum, so auch Karyll, der jüngste Spross. Bittere Tränen liefen ihm die Wangen herunter. Neben ihm stand seine Mutter und seine ältere Schwester Nira, beide verhüllten ihre Gesichter mit einem schwarzen Schleier, damit man ihnen ihre Trauer nicht ansah, dafür hörte man sie umso deutlicher. Der Friedhof lag direkt hinter einer kleinen Kirche, indem unaufhörlich die Glocken geschlagen wurden. Von dort aus führte ein kleiner, geschlungener Pfad zu dem Ort, an dem nun Karylls Vater begraben wurde. Ringsum die Menschen war eine schöne Wiese, auf der hin und wieder kleine rote Blümchen wuchsen. Langsam wurde Harik ins Grab hinabgelassen, während alle Trauernden einzeln hervor traten und ihm die letzte Ehre erwiesen. Als Karyll vor dem gut drei Meter tiefen Schacht stand schluchzte er laut und flüsterte: „Ich schwöre dir, ich werde ein Mann, auf den du stolz sein kannst!“ Dann drehte er sich um und gesellte sich zu seiner Großmutter, welche ungeniert heulte.
Niemand konnte sich erklären, weshalb Harik sterben musste. Er war ein einfacher, aber beliebter Händler gewesen. Nie hatte er unfair gehandelt oder seine Waren überteuert verkauft, sondern im Gegenteil auch gerne etwas preiswerter gemacht. Man konnte sich immer mit ihm unterhalten und er hatte immer die neuesten Gerüchte gehört. Doch eines Tages kam ein Ritter an seinen Stand in der Stadt, umgeben von drei seiner Gefährten. Ohne erkennbaren Grund zerhauten sie ihm Töpfe und Fässer, ramponierten den Stand und beleidigten ihn. Als er fragte, weshalb sie so etwas ungerechtes Taten, stach ihn der Ritter nieder. Das entsetzte Volk hatte die Stadtwache alarmiert, welche den Ritter und seine Schar auf der Stelle festnahmen. Es stellte sich heraus, dass sie Attentäter waren und den Befehl bekommen hatten, ihn zu töten. Noch bevor man sie hängen konnte, hatten sie sich in ihrer Zelle selbst umgebracht. Niemand wusste, wer seinen Vater hatte tot sehen wollen.

Gemeinsam machten sich Harik, seine Mutter und seine Schwester auf den Heimweg, ein kleines Grundstück nahe den Stadttoren von Aloris, dass sie sich nur leisten konnten, weil Harik so viel Geld nach Hause brachte durch seinen Verkauf. Jetzt da er dahingeschieden war, würden sie ihr Haus verkaufen müssen und in Armut leben. Kein Wunder, dass Karylls Mutter so am Boden zerstört war. Er selbst konnte mit seinen 12 Jahren die ganzen Folgen noch nicht begreifen. Er wusste nur eins. Er musste so schnell wie möglich groß und stark werden, um seine Familie zu beschützen. Als sie ungefähr die hälfte des kleinen Waldweges durchschritten hatten, sahen sie in einiger Entfernung vier Gestalten in zerlumpter Kleidung. Karyll wurde mulmig. Vorsichtig sah er nach hinten. Dort traten ebenfalls vier Gestalten aus dem Wald auf den Weg. „Mama, lass uns wegrennen. Diese Menschen sind mir nicht geheuer.“, sagte der kleine, der instinktiv wusste, dass die Menschen ihm böses wollten. Auch die Mutter schluckte und schaute sich um, doch es war aussichtslos. Die Männer waren inzwischen so nah heran, dass sie nur mit ihren lose am Gürtel hängenden Waffen hätten werfen müssen, um sie zu treffen. Dass sie gerade auf dem Heimweg von einer Beerdigung überfallen wurden, hatte etwas bitteres an sich. Wenigstens musste man sie dann nicht so weit tragen.
Karyll spannte sich. Sein Herz schlug schneller. Die vier Gestalten vor ihm, einer häßlicher als der andere, blieben stehen und grinsten, wobei sie verfaulte Zahnstumpen zum Vorschein brachten.
„Nichts gegen euch persönlich, Mylady...“, begann der größte von ihnen, während er sein kurzes Scchwert zog, „...aber ich habe eine Menge Gold versprochen bekommen, wenn ich euch dreien hier und jetzt den Garaus mache. Bitte nehmt es mir nicht übel, aber auch ich brauche etwas zum Leben.“ Verächtlich ging Karylls Mutter zwei Schritte auf ihn zu und spuckte ihm ins Gesicht: „Pah! Leben auf Kosten des Todes eines anderen ist das mit Abstand widerlichste, dass man nur tun kann!“, sagte sie ihm, wobei ein ungewohnter Hass in ihr aufkam, den Karyll noch nie zuvor erlebt hatte. Erneut entschuldigte sich der Mann, mit der Ausrede, es sei nunmal der Wille des Herrn, man könne sich sein Leben nicht aussuchen. Dann holte er aus.
Karyll wusste nicht wie ihm geschah. Etwas nahm Besitz von ihm, verdrängte ihn in seinem Körper zu einem Zuschauer und übernahm die Kontrolle. Blindlinks rannte er auf den Mann zu und sprang ihm an den ausholenden Arm. Niemand hatte damit gerechnet, am wenigsten der Räuber selbst, welcher dadurch ins Taumeln kam. Karyll biss ihm mit aller Gewalt in den Daumen. Der bittere Geschmack von Blut und Schmutz machte sich in seinem Mund breit, doch er biss wieder und wieder zu, bis der Daumen schließlich ein einziger blutiger Klumpen war. Erst dann hatte ein zweiter Räuber sich dazu aufraffen können, den jungen mit einem kräftigen Schlag zurückzuschleudern. Vor Schmerzen schreiend lies der Mann sein Schwert fallen. Die Mutter, welche mit ihrem sofortigen Tod gerechnet hatte, war immernoch unfähig zu handeln, während seine Schwester Nira es geschafft hatte, durch die vorderen Angreifer hindurchzurennen und nun um ihr Leben rannte. Zwei nahmen sofort die Verfolgung auf und Karyll war sich sicher, sie würden sie bald eingeholt haben. Vor Schmerz kaum atmen könnend lag er auf dem Boden. Sein Blick war verschwommen und eine unglaubliche Übelkeit kam in ihm hoch. Doch etwas in ihm wusste, dass er jetzt nicht aufgeben konnte. Diese Macht, die ihn übernommen hatte, verdrängte den Schmerz und ließ ihn mit einer Rolle rückwärts hochkommen, direkt mit dem Rücken zum nächsten Angreifer, welcher bereits mit hoch erhobenen Schwert hinter ihm stand. Instinktiv machte er einen großen Ausfallschritt, sodass die Klinge hinabsauste und auf den harten Boden prallte. Als der Mann sein Schwert ein zweites Mal erheben wollte, trat ihm Karyll so fest es ging zwischen die Beine. Im Hintergrund hörte man immernoch das Wimmern des Mannes mit dem blutigen Daumen. Einer seiner Kollegen hatte ihn beiseite genommen und versuchte gerade, seinen Daumen mit einem Stofffetzen zu verbinden. Blitzschnell ging Karyll die Situation durch den Kopf. Zwei Männer, die gerade hinter seiner Schwester her waren, der Mann vor ihm war gerade zu nichts in der Lage, der Mann mit dem Finger ebenfalls. Die drei anderen schauten immernoch verdutzt auf Karyll, einer half dem blutenden und einer....
...stach mit einem Dolch direkt in die Brust seiner Mutter. Dieser Gedankengang dauerte nicht einmal eine Sekunde, die jedoch vollkommen ausreichte, dass das Messer sich tief in die Brust seiner Mutter sank. Noch während er dies sah, setzte Karylls Bewusstsein aus. Was auch immer in ihm war übernahm die absolute Kontrolle. Mit einem Satz hechtete er nach vorne, schnappte das fallengelassene Schwert und trennte dem Mörder den Fuß ab. Überrascht viel dieser zu Boden, direkt neben die Mutter, welche immernoch den Dolch im Oberkörper stecken hatte. Doch Karyll achtete nicht darauf. ÜBERLEBEN, war sein einziger Gedanke. Er würde sich nicht von ein paar Räubern niederstrecken lassen. Niemand würde ihn je töten!
Schwungvoll stand er auf, drehte sich zu den drei verbliebenen Angreifern, wobei zwei ihre Schwerter gezogen hatten und einer sein Heil in der Flucht suchte. Karyll kam alles so furchtbar langsam vor. Als würden sich die Mörder kaum wehren wollen, sanken ihre Arme in Zeitlupe herab. Ohne sonderliche Anstrengung wich er dem ersten Schlag aus und trennte dem zweiten Angreifer die Hände vom Körper, als dieser versuchen wollte ihn zu schlagen. Den Schwung seines Schlages nutzte er gleich aus um sich einmal im Kreis zu drehen und dem anderen Angreifer den Bauch aufzuschlitzen. Es hatte nur Sekunden gedauert, da lagen die beiden Angreifer auch schon blutend auf dem Boden. Zu dem Schmerzensschreien der vor ihm liegenden Mörder gesellte sich plötzlich ein weiterer Schrei, allerdings von weit weg. Er blickte nach in die Richtung, in die der letzte Räuber geflohen war und sah ihn gerade zusammenbrechen. In vollem Galopp kam ein Mann mit schwarzem Umhang und langem blonden Haar auf einem riesigen weißen Ross auf ihn zu, eine Armbrust in der rechten Hand. Noch während er näher kam, legte er einen neuen Bolzen auf und zielte. Instinktiv duckte sich Karyll, noch immer ohne Kontrolle über sich selbst. Mit lautem sirren schoss der Bolzen über seinen Kopf hinweg, traf den Mann, der seinem Kameraden geholfen hatte, als dieser gerade sein Schwert ziehen wollte, direkt zwischen die Augen und ließ ihn nach hinten fallen. Derweil hatte der Mann schon wieder nachgeladen und schoss nun auch dem Mörder mit dem zerbissenen Finger einen Bolzen mitten ins Herz. Es riss ihn von den Füßen. Absolut unfähig zu handeln schaute Karyll dem Mann zu, wie er an ihm vorbei ritt und die beiden Männer verfolgte, welche hinter seiner Schwester her waren. Aus der Entfernung nahm er in kurzem Abstand zwei Schreie war. Ohne Vorwarnung verließ ihn die Kraft, der Schmerz kam zurück. Ihm mussten ein paar Rippen gebrochen sein, so sehr tat ihm der Brustkorb weh. Mit einem Mal kam es ihm auch so vor, als würde das Schwert mindestens so viel wie er selbst wiegen. Kraftlos sank er zu Boden und übergab sich. Dann wurde ihm schwarz vor Augen.
31.7.06 22:12


Fantasy - Die goldene Kette

Seid gegrüßt!

Aufgrund der hohen Nachfrage(ein einziger)
habe ich mich dazu entschlossen, euch auch noch die "Fortsetzung" meiner Fiedlergeschichte zu schreiben. Sie hat bis auf den Fiedler nichts mit dem Rest gemein und dient lediglich der Unterhaltung. Mal sehen wie sie euch gefällt. Ach ja, sollte euch die Story bekannt vorkommen, da gibt es so eine Gruppe namens Schandmaul, die mal ein Lied darüber geschrieben hat^^

und nun viel spaß:

Die goldene Kette

Die Kunde, die Rittereinheit sei auf dem Heimweg, verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Dorf. Der Winter zog über das Land und die sich bekriegenden Seiten zogen sich zurück. Sofort wurden Vorbereitungen getroffen, schließlich sollten ihre Männer einen heldenhaften Empfang bekommen, wie es sich für Ritter des Königs gehörte. Der Festplatz wurde geschmückt, Speis und Trank herangeschafft und Duelle der heranwachsenden Jungen organisiert, auf dass es ein herrliches Fest werde. Spät abends schließlich ritt ein Bote durch das Dorf:
»Hört, hört! Zur vollen Stund werden die Ritter hier eintreffen. Jeder Bewohner begebe sich nun zur Stadtmauer, auf dass die Herren herzlichst empfangen werden!«
So stürmte das Volk Richtung Wall, sammelten sich vor, neben und auf der Mauer und lauschten dem herannahenden Trupp.

Maria hörte sie als erstes. Laute Hufe, stampfende Schritte und wildes klappern der Rüstungen, sowie heiterer Gesang der Kriegsleute.
Der Trupp ritt direkt vor der am Horizont verschwindenden Sonne, welche ihn in eine wabernde, jedoch sehr detaillierte Silhoutte verwandelte. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis man einzelne Einheiten erkennen konnte. Mit wachen Augen hielt Maria ausschau nach ihrem Herrn Vater. Er war ihr einziger Familienteil, da ihre Mutter schon früh einer Krankheit erlegen war. Er hatte sich seit sie sich erinnern konnte immer um sie gekümmert, hielt wacht an ihrem Bett, wenn es ihr schlecht erging, freute sich mit ihr, wenn etwas schönes Geschehen war. Sein Verlust wäre sie untragbar gewesen. Außerdem wollte sie ihm endlich die Kunde von ihrem Liebsten übertragen, welche sie nun schon fast ein Jahr lang verschwiegen hatte. Kurz, nachdem sie ihn kennengelernt hatte, musste auch er in den Krieg ziehen. Sie hoffte, sie würde auch ihn bald wiedersehen, noch mehr aber, dass ihr Vater sich mit ihm vertrug.

Nun hatte der Trpp die Stadttore erreicht und die ersten zogen mit rasantem Galopp hindurch, dicht gefolgt von den Infanterieeinheiten, zu denen auch ihr Vater zählte. Sie erblickten sich im selben Augenblick. Seine Kettenrüstung war mit dem getrockneten Blut der Feinde beschmutzt, sein Gesicht war hager und ausgehungert, jedoch hielt er sein Schwert hoch erhoben und mit festem Griff und jubelte aus Leibeskräften. Im Dorf angekommen liefen alle Einheiten zielstrebig zu ihren Familien, da die Feier erst am nächsten Morgen stattfinden würde. Sogar der König würde ihrem bescheidenen Dorf einen Besuch abstatten, um jeden Ritter persönlich zu gratulieren. Mit schnellen Schritten und geschickten Ausweichmanövern bahnte Maria sich den Weg von den Zinnen und sprang ihrem Vater um den Hals. Dieser umarmte sie herzhaft, froh darüber, seine Tochter wohlauf zu sehen. Gemeinsam liefen sie nach Hause, sprachen kein Wort. Worte waren überflüssig um ihr Glück zu beschreiben. Hand in Hand kamen sie an, das Feuer brannte gemütlich im Kamin, sodass sie in eine wohltemperierte Stube traten. Sofort machte sich Maria daran, Papa etwas zum Essen zu bereiten, während er sich seiner Rüstung entledigte.
Während des Mahls erzählte der Vater seine Erlebnisse auf dem Schlachtfeld. Gespannt lauschte die Tochter, verzaubert von seinen Worten. Als er fertig war sagte sie:
»Ich habe stets brav gebetet und an euch gedacht. Habt ihr eurer Tochter denn was mitgebracht?«
Dem Vater schoss sofort etwas neues in den Kopf.
»Jawohl. Ich hätte da was von Interesse für euch.«
Und so begann er eine weitere Geschichte zu erzählen, welche mit seinem Geschenk in Verbindung stand.
»Es war vor gut einem halben Jahr, da trafen wir mittem im Wald auf eine Gruppe befeindeter Soldaten. Sie waren allesamt noch sehr jung und unerfahren, viele hatten wahrscheinlich noch nie zuvor einen Menschen getötet und werden dies wohl auch niemals können. Obwohl wir in einen Hinterhalt geraten waren, hatten wir keine Probleme mit ihnen. Ich alleine habe sechs von ihnen niedergestreckt, wobei ich sagen muss, dass es mir bei einem von ihnen sehr schwer fiel. Dieser Jüngling hatte eine so besessene und verzweifelte Art zu kämpfen, ich glaube, er war verliebt. Wie ein Barbar schlug er mit seinem Schwert um sich, streckte zwei Soldaten vor meinen Augen nieder, bevor ich einschreiten konnte. Sein Blick war kalt und entschlossen. Er wollte garantiert nicht verlieren. Selten sieht man Jungen mit diesem Blick. Er war der geborene Kämpfer, leider fehlte es ihm an Erfahrung. Ich muss sagen, wäre er einer von uns gewesen, ich hätte ihn als Schwiegersohn für euch in Erwägung gezogen.«
Maria hörte mit voller Konzentration zu. Doch kaum, dass der Vater ausgesprochen hätte, er hätte ihn als Schwiegersohn in Erwägung gezogen, spürte sie einen kleinen Stich. Für den Bruchteil einer Sekunde kam ihr der Gedanke, der junge Kämpfer könne ihr geliebter gewesen sein. Sie verdrang den Gedanken schnell wieder und lauschte weiter.
»Der Kampf war sehr ausgewogen. Wir schenkten uns wirklich nichts. Hätte ich auch nur eine Sekunde nicht aufgepasst, so würde ich heute nicht vor euch sitzen. Wir kämpften bis zur totalen Erschöpfung, welche bei ihm erstaunlich war für sein Alter. Doch schließlich gelang es mir ihm sein Schwert zu entreißen. Doch anstatt niederzuknien und seinem Schicksal zu harren, ging er mit bloßen Fäusten auf mich los. Nie zuvor begegnete ich solch einem Überlebenswillen, solchem Kampfgeist. Nun ja, ich habe ihn mit einem sauberen Streich enthauptet. Er musste nicht leiden. Um ihn zu ehren, habe ich ihm sogar ein Grab gebaut. Als sein Körper zu Boden fiel, fand ich das hier. Sie hing um seinen Hals und sah so wunderschön aus, dass ich sie für dich mitgenommen habe.«
Er kramte in seinen Sachen nach etwas und als er es fand, drehte er sich um und hielt es ihr hin.

Es war eine goldene Kette mit einem reich verzierten Kreuz als Anhänger. Die feinen Glieder der Kette waren allesamt leicht schraffiert worden, sodass man die Kette nur einen kurzen Moment geradewegs anschauen konnte, ohne dass sie vor einem verschwamm. Das Kreuz war mit kleinen Rubinen bestückt, welche durch den Schein des Kaminfeuers leuchteten. Es war die schönste Kette, die Maria je gesehen hatte......
.....aber es war ihre eigene......

Zuerst rollte ihr nur eine einzelne Träne über die Wange, doch je länger sie das Schmuckstück betrachtete, umso mehr wurde ihr bewusst, dass dies nur eines zu bedeuten hatte. Sie begann leise zu schluchzen. Den Vater traf es wie ein Donnerschlag. Sofort machte er sich Vorwürfe, die Kette sei ihr nicht gut genug gewesen, oder aber sie freue sich so sehr, dass sie ihr Glück nicht anders ausdrücken konnte. Doch ihr Heulen wurde lauter, stärker, unbändig. Sie fiel vor ihm auf die Knie, unablässig auf die Kette starrend und heulte aus Leibeskräften. Ihr Blick war es, was ihrem Vater schließlich gewissheit brachte...
»Ihr...das war...eure...?«, stammelte er, ungläubig es nicht sofort bemerkt zu haben. Er kannte diese Kette. Sie gehörte seiner Frau, welche sie ihrer Tochter kurz vor ihrem Tode schenkte. Aber wie kam der Junge...

Marias Hände fuhren zur Kette, entriss jene ihrem Vater. Sofort sprang sie auf und rannte los. Weit fort von ihrem Heimatdorf, hinaus in die bittere Kälte des Winters.

Während sie rannte, erinnerte sie sich an die schöne Zeit mit ihrem Liebsten zurück.Sie hatte ihn als Sohn eines Wanderschmieds kennengelernt, welcher zufällig in die Stadt gekommen war. Es war die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick. Beide verbrachten so viel Zeit wie möglich miteinander, auch wenn es nur wenige Tage waren, die man ihnen gönnte, bevor er weiterziehen musste. Am letzten Abend schließlich waren sie in den Wald gegangen, wo sie ihm an einem kleinen See ihre Jungfräulichkeit, sowie diese Kette als Erinnerung an sie schenkte, auf dass er immer an sie denken möge. Nie könnte sie diesen wundervollen Abend vergessen, nie den Anblick ihres Geliebten. Sie würde ihn nie wiedersehen.Der Gedanke streifte in ihrem Kopf herum wie ein wildes Tier, nagte an ihr und weidete sich an ihrem Schmerz. Niemals...niemals wieder...

Es vergingen Tage, in denen sie ziellos umher irrte. Dörfern ging sie geschickt aus dem Weg, ebenso wie befestigten Wegen. Sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ausgehungert, vollkommen unterkühlt, dennoch am Leben, sich von Beeren am Wegesrand ernährend. Ewigkeiten müssen vergangen sein, dachte sie, seit sie das letzte Mal angehalten war. Ohne große gegenwehr setzte sie Tagelang einfach nur einen Fuß vor den Anderen. Wie von einer unsichtbaren Macht geleitet bestritt sie ihren Weg. Geschlafen hatte sie auch nicht mehr, seit sie ihr Heim verlassen hatte. Und dann ertönte da auf einmal diese Melodie in ihrem Kopf. Sie gab ihr neue Kraft, zwang sie förmlich weiterzugehen, ihr zu folgen. Es klang sehr melancholisch und wurde auf einer alten Geige gespielt. Maria verließ sich vollkommen auf ihr Gehör, schloss alles andere aus ihrem Kopf aus. Wichtig war nur noch diese Melodie, und wie sie zu ihr gelangen konnte. Je näher sie kam, umso mehr Kraft verspürte sie in sich, sodass sie erst langsam stapfte, wenig später schon lief und noch später rannte. Obwohl die Melodie so traurig klang, hatte sie etwas berauschendes an sich.

Beinahe wäre sie vorbeigelaufen an dem großen, flachen Stein, der senkrecht in den Boden gedrückt war. Sie hatte keine Ahnung, wie sie in dieses abgelegene Stück Wald gekommen war, noch weniger wusste, sie, von woher die Musik kam. Sie wusste, sie war am richtigen Ort angekommen, denn die Musik erscholl von überall und nirgends zugleich. Mal hörte sie die Musik nur in ihrem Kopf, mal, als spiele ein Orchester direkt vor ihr, jedoch konnte sie niemanden erblicken. Sie begutachtete den Stein. Er war leicht bearbeitet worden und steckte in einer kleinen Bodenerhebung. In ihn war etwas hineingemeißelt worden.

»Hier ruht ein Jüngling, der im Kampfe starb. Seinem starken Kampfgeist soll mit diesem Grabe gehuldigt werden.«

Maria sank auf die Knie und wäre in Tränen ausgebrochen, wenn sie denn noch genügend Flüssigkeit in ihrem Körper gehabt hätte. Wie um ihre Trauer zu unterstützen wurde die Melodie lauter und noch ein Stück dramatischer. Plötzlich spürte Maria einen Luftzug. Abrupt stand sie auf und drehte sich um. Dort stand er. Der Mann, der diese wunderschöne Melodie spielte. Er hatte die Augen geschlossen und eine einzelne Strähne seines schulterlangen, weißen Haares hing ihm im Gesicht. Er sah erstaunlich jung aus, sportlich, gekleidet in einem pechschwarzen Hosenanzug, sowie einer blutroten Krawatte, auf dem Kopf einen schicken Zylinder. Er war der gutaussehendste Mann, den Maria je erblickt hatte. Nichtsdestotrotz brannte ihr nur eine Frage auf den Lippen. Ihr Herz pochte mit solcher Gewalt, es hätte jeden Augenblick aus ihrer Brust herausspringen können.
»Seid ihr....der Tod!?«, fragte sie mit vor Kälte und Anstrengung zitternder Stimme. Ihre Augen waren glasig, die Lippen blau. Schneekristalle hatten sich auf ihrer zarten Haut gebildet. Auf einmal fror sie wieder erbärmlich.
Der Mann hörte auf zu spielen. Seine Lippen bewegten sich, als wolle etwas sagen, jedoch brachte er keinen Ton heraus. Maria verstand ihn dennoch. In ihrem Kopf bildeten sich Worte, mit engelsgleicher Stimme, drangen sie in das Mädchen, durchfluteten sie und breiteten eine wohltuende Wärme in ihr aus.
»Ich bin ein Fiedler.«
Langsam öffnete der Mann seine Augen. Sie waren leuchtend gelb, denen einer Katze ähnelnd. Sein Blick durchdrang sie, schien sie zu Mustern, im tiefsten ihrer Seele herumzuwühlen. Widerstand war zwecklos. Mehrmals versuchte Maria, den Blick von ihm abzuwenden, doch sie hatte keine Kontrolle über sich.
»So, du möchtest also deinen Geliebten wiedersehen?«, fragte die wohltuende Stimme des Fiedlers.
Maria antwortete sofort: »Ja...Ja, ich will ihn wiedersehen, um jeden Preis der Welt!«
»Ich kann dir helfen, ihn wiederzusehen. Aber warum sollte ich das tun? Du bist noch so jung. Du wirst bestimmt noch glücklich...«, sprach die Stimme tief in ihrem Inneren, doch sie schrie:
»NEIN! Nie werde ich glücklich ohne ihn!« Verzweifelt griff sie nach ihrem Hals, nahm die Kette ab und hielt sie ihm mit sturem Blick hin.
»Die goldene Kette nimm dir, aber bring mich zu meinem Liebsten dafür!
Der Mann musterte sie erneut. Sein Blick zeigte Verwunderung, wenn auch nur kurz. Dann lächelte er. Strahlend weiße Zähne kamen zum Vorschein. Es war ein freundliches, warmes Lächeln.
»So sehr wünscht du dir, ihn wiederzusehen, selbst wenn du dafür dein Leben geben musst?«
Sie nickte. Maria wusste nicht wie ihr geschah. Auf einmal war die Person verschwunden, genauso wie die Kette in ihren Händen. Sie spürte einen warmen Atem in ihrem Nacken. Sie bekam eine Gänsehaut, als er ihr behutsam die Kette wieder anlegte.
»Wie lange ist es jetzt her, dass ich das Schmuckstück gesehen habe? Bestimmt 200 Jahre...«, murmelte eine Stimme in ihr, doch bevor sie irgendetwas erwidern konnte, setzte die Melodie wieder ein. Schlagartig wurde sie müde. Mit einer Hand die Kette festhaltend, kniete sie sich vor das Grab, legte sich langsam hin und schlief ein...
16.4.06 13:00


Fiddler on the Green(erst den Blog DARUNTER lesen)

Keuchend rannte die Frau durch den Wald. Schweiß rann ihren Körper hinab. Sie stolperte über eine aus dem Boden ragende Wurzel und fiel der Länge nach hin, doch raffte sie sich sofort wieder auf und rannte weiter. Sie durfte keine Zeit verlieren. Bald würde ihr Fehlen bemerkt werden, bis dahin musste sie so weit wie möglich entfernt sein. Die Büsche um sie herum wuchsen immer dichter, kratzten ihr Arme und Beine auf, welche schutzlos aus ihrem Kleid herausragten, verfingen sich in ihren langen blonden Haaren und stachen ihr ins Gesicht. Einst war sie schön gewesen, doch das ist schon lange vorbei. Ihr ehemals junges und bezauberndes Gesicht war übersäht mit Prellungen, ihre zarten Gliedmaßen vernarbt und zerkratzt von den Wunden, die sie sich aus purer Verzweiflung selbst angetan. Dabei war sie anfangs so glücklich. Ihr Mann stammte aus einer wohlhabenden Familie, war stets freundlich und äußerst attraktiv. Sie liebte in von ganzem Herzen und doch konnte sie nicht bei ihm bleiben. Früher oder später, so spürte sie es in ihrem Herzen, würde er ihrem Leben ein Ende bereiten, ob gewollt oder nicht spielte dabei keine Rolle. Damals schob sie die Qualen die sie erleiden musste auf die familiären Probleme, die ihm kurz zuvor widerfahren waren. Doch auch nach Monaten hörte er nicht auf. Schnell begann sie sich vor den Nächten zu fürchten, wenn er anfing sie zärtlich zu berühren. Sie konnte sich nicht wehren. Je mehr sie sich zurückzog oder verschloss, umso aggressiver wurde er. Tagsüber traute sie sich kaum noch aus dem Haus, weil ihre Wunden nicht zu verstecken waren. Freunde hatte sie keine. So ließ sie alles über sich ergehen. Nacht für Nacht, Woche für Woche, über Jahre hinweg. Als sie das erste mal daran gedacht hatte, sich von ihrem Liebsten zu trennen, war der stechende Schmerz, den sie in ihrer Brust verspürt hatte, weit schmerzvoller als die körperlichen Schmerzen, doch je länger sie diese Qualen erleiden musste, umso mehr drängte alles in ihr, sich von ihm zu entfernen. Nein, nicht alles. Der Gedanke, er könne sich ändern, die Hoffnung, er würde wieder zärtlich und rücksichtsvoll wie zu Zeiten ihrer Hochzeit werden, schlug weiterhin in ihrem Herzen, züngelten wie Flammen um den Gedanken der Flucht, schlossen ihn ein und hielten ihn gefangen, so wie sie gefangen war. Doch die Flammen wurden kleiner. Mit jeder Nacht erlosch das Feuer ein Stück mehr, denn es kam niemand, um es anzufächern, die Flammen zu regenerieren, nichts nährte das Feuer. In den vergangenen Stunden war es endgültig erloschen. Der Fluchtgedanke durchströmte die Frau, rief nach Freiheit. Als ihr Mann nach seiner Tat eingeschlafen war, schlich sie sich unter leise hinaus. Alles an ihr schmerzte, außer ihr Herz. Der stechende Schmerz beim Gedanken an die Trennung war einem Gefühl des Glücks gewichen. Wie oft hatte sie geweint, ihre Schmerzen durch unzählige sinnlose Wunden an ihrem Körper entweichen lassen, nur um sich besser zu fühlen. Jetzt brauchte sie das nicht mehr. Es gab kein schöneres Gefühl für sie als der Gedanke, so weit wie möglich von ihrem Tyrann entfernt zu sein.
Und so lief sie los. Jeglicher Schmerz wurde unterdrückt, hatte dem Gefühl der Freiheit zu weichen, während sie barfuss, lediglich mit einem Nachtkleid bekleidet rannte, so schnell ihre Füße sie trugen. Ihr Atem hämmerte schwer in ihrem Kopf als sie endlich das Dorf verlassen hatte. Der gepflasterte Weg wich einem einfach befestigen Boden, dieser wich schon bald einem einfachen Trampelpfad. Mehr oder weniger unbewusst kam sie vom Weg ab, schoss ins Gebüsch um ihren Häscher loszuwerden. Ihr Körper brannte vor Schmerz, ihr Brustkorb hob und senkte sich unrhythmisch. Doch sie konnte nicht aufhören. Ihre Füße bluteten, zerschnitten von auf dem Boden liegenden Ästen, Glasscherben gleich. Es schienen Stunden vergangen zu sein, die sie einfach nur gelaufen war, so schnell und weit ihre Füße sie trugen. Wie durch ein Wunder war sie niemandem während ihrer Flucht begegnet. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass alle Menschen um diese Uhrzeit schliefen. Sie hatte schon lange nicht mehr richtig geschlafen. Körperliche Schmerzen und seelische Zermürbtheit hatten sie wach gehalten. Sie wusste, sie war ein Wrack, aber alles würde sich ändern, wenn sie erst in einer neuen Stadt angelangt war. Dieses Ziel gab ihr zusätzliche Energie und sie konnte noch einmal an Ausdauer gewinnen. Im Wald war es totenstill, lediglich das Rascheln der Blätter, über die sie lief und durch die sie hindurch rannte, sowie das gelegentliche „Uhu“ eben jenes Vogels durchbrochen diese Stille. Für die Frau jedoch war der Wald mit einem lauten, gleichmäßigen Trommeln untermalt, ihr eigener Pulsschlag, der ihre Schläfen zum Pochen brachten, gefolgt von einem harten ausatmen. Lange konnte sie nicht mehr fliehen. Sie musste bald eine Pause machen, dachte sie sich, wenigstens für ein paar Minuten. Doch ihr Zeitsinn spielte ihr übel mit. Sie fühlte sich, als wäre sie Stunden gelaufen, aber sie wusste ebenso, dass dem nicht so war. Panik durchflutete sie, sie könne noch zu Nahe an der Stadt sein. Er würde sie bestimmt binnen Minuten finden, wenn er einen Suchhund dabei hatte. Da, hörte sie nicht schon Schritte außer ihren eigenen? So zwang sie sich, weiter und weiter zu laufen. Tränen rannen ihre Wangen runter, sowohl der Verzweiflung, als auch des Schmerzes und der Erschöpfung.

Sie schien zu schweben. Ihre Geschwindigkeit hatte ihren Höhepunkt erreicht. Die Büsche und Bäume, Wurzeln und Äste stellten keine Hindernisse mehr dar. Sie spürte keinen Schmerz mehr, fühlte und hörte kein Pochen in ihrem Kopf, stattdessen eine leise Melodie. Plötzlich lichtete sich der Wald und sie kam auf ein Feld unglaublichen Ausmaßes. Ihre Schritte verlangsamten sich. So weit das Auge reichte gab es nichts als eine vom Wind wabernde, graue und ebene Fläche und darüber der sternenbedeckte, blau-schwarze Nachthimmel. Sie drehte sich um. Der Wald war verschwunden, auch hier erblickte sie nichts als Feld. Mit einem Mal blendete sie ein heller Schein und sie hielt sich die Hand vor die Augen. Die Sonne ging auf, langsam, aber doch schneller als in der Natur vorkommend. Ihre hellen Strahlen durchschnitten den Himmel, hellten ihn Schritt für Schritt auf, färbten ihn erst in ein dunkles Violett, welches sanft in ein düsteres Rot überging. Auch das Feld um sie herum nahm diese Farben an. Die Sterne am Himmel verblassten nun immer schneller und binnen Minuten stand die Sonne hoch am Himmel, tauchte das graue Feld um sie herum in ein saftiges, gesundes Grün. Überall blühten kleine Pflanzen mit Roten Knospen. Hummeln flogen summend an ihr vorbei, während sie dieses Schauspiel mit staunenden Blicken beobachtete. Die Melodie, die die ganze Zeit in ihrem Kopf ertönte, wurde lauter. Langsam schaute sie sich um, um nach der Quelle der Musik Ausschau zu halten. Es waren schöne, schwingende Töne, die eine unglaublich beruhigende Stimmung verbreiteten. Eine kühle Brise fuhr durch das Gras und ließ es wehen. Abertausende kleiner hell leuchtender Käfer erhoben sich gleichzeitig und wurden vom Wind davongetragen wie Laub. Der Blick der Frau folgte den Tieren, die sie nicht beschreiben konnte. An einer Stelle hatten sich mehrere auf einer Stelle versammelt und als sie davonflogen, gaben sie die Sicht auf eine Person frei.
Mitten auf dem Gras stand ein Fiedler.

Gedankenversunken spielte er seine Melodie, fiedelte gleichmäßig seine melancholische Melodie. Er war von ansehnlicher Größe und Statur. Sein schulterlanges, strahlend weißes Haar verriet ein Alter, welches sein Gesicht sofort widerlegte. Er sah aus wie ein Mann in seinen besten Jahren, glatt wie die Haut eines Kindes, dennoch mit markanten Zügen, die ihn unglaublich attraktiv machten. Seine Augen waren geschlossen als würde er schlafen, seine Mundwinkel zuckten gelegentlich, als Summe er die Melodie mit, die er gleichzeitig spielte. Eine einzelne weiße Strähne hing ihm im Gesicht. Er hatte einen großen schwarzen Hut, gleich dem eines Magiers der alten Schule auf dem Kopf und darunter wehten die Haare gleichmäßig in einem Wind, der nur ihn erfasste. Ein glatter, pechschwarzer Hosenanzug und eine blutrote Krawatte rundeten das Auftreten des Mannes ab und ließen ihn schlank, jedoch auch gut gebaut aussehen. Er unterbrach seine Melodie und hob den Kopf. Langsam öffnete er die Augen und brachte mystisch gelbe Augen zum Vorschein, die sie aufmerksam begutachteten. Er öffnete den Mund zu einem Lächeln, wobei strahlend weiße Zähne zum Vorschein kamen.
Im selben Augenblick und ohne jeden sichtbaren Grund liefen Tränen über die zerkratzten Wangen der Frau. Der Mann mit dem herzerwärmenden Lächeln, welches sowohl Herzensgüte als auch Geborgenheit ausstrahlte, bewegte die langsam die Lippen, doch hörte die Frau die Worte nicht, die er sprach, sie fühlte sie.

(Ruh’ dich aus, mein Kind…)

Seine Worte sorgten für ein wohltuendes Kribbeln unter ihrer Haut.

(Ich werde deine Schmerzen lindern…)

Die Tränen rannen unaufhaltsam über ihre Wangen. Der körperliche Schmerz war schon lange verschwunden, doch fühlte sie sich jetzt erst befreit. Seine Worte waren Balsam für ihren geschundenen Körper und sie konnte mit ansehen, wie die Wunden sich schlossen und die Narben verblassten. Ihr Körper erhielt seine einstige Schönheit zurück. Glück durchflutete sie, doch auch Kummer, eine kleine Vorahnung auf etwas, dass ihr bald widerfahren würde. Der Mann lächelte immer noch. Die Beine fest zusammen stand er auf dem Boden und streckte langsam beide Arme aus. Unglaublich zarte Hände mit langen schlanken Fingern hielten Instrument und den dazugehörenden Stock fest umschlossen, während er weitere Worte mit den Lippen formte.

(Komm zu mir, mein Kind. Ich führe dich an einen sicheren Ort, fern von allem Schmerz und all der Qual...)

Sie wusste, dass er die Wahrheit sagte. Wie konnte jemand mit einer so mystischen Ausstrahlung Lügen? Dennoch fürchtete sie sich ein wenig. Sie schaute ihm direkt in die Augen. Sein Blick war unbeschreiblich – wissend, forschend, hämisch, warm und kalt, all dies und noch mehr drückten seine Augen mit einem einzigen Blick aus. Ihr letztes bisschen Widerstand begann zu bröckeln.

(Hab keine Angst…)

Vorsichtig tat sie den ersten Schritt in seine Richtung. Das Gras kitzelte an ihren Beinen. Der seltsame Mann begann wieder seine Melodie zu summen. Seine Stimme war perfekt. Kein Mensch besaß so eine Stimme, sie war vollkommen ohne Makel, nicht zu hoch, nicht zu tief, die Töne so rein wie Bergkristall. Die Frau näherte sich nun in gleichmäßigen Schritten, einen Fuß vor den anderen setzend. Dort, wo ihre Füße das Gras niedergedrückt hatten, richtete sich selbiges sofort wieder auf.
Bei ihm angekommen, schmiegte sie sich schutzsuchend an den Mann, welcher sie um beinahe zwei Köpfe zu überragen schien. Behutsam legte er seinen Arm um sie, während er wieder anfing zu fiedeln.

(Du hast genug gelitten in deinem Leben. Ich werde dich von deinen Qualen erlösen. Alles hat einen Anfang und ein Ende… Lausche meinem Lied vom Ende…)

Die Melodie setzte ein und die Frau schloss die Augen. Eine letzte Träne lief ihr über die Wange und ihr wurde wohlig warm. Sie schlief ein...

Die Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Ein Wanderer hatte im Morgengrauen eine Frau im Wald gefunden. Sie hatte sich mit ihrem Fuß in einer Wurzel verfangen und war mit dem Kopf auf einen Stein geprallt. Ihr Gesicht war so bleich wie der Mond und ihre Schönheit durch hässliche Kratzer und Narben entstellt. Die Frau starb an Ort und Stelle an ihren Verletzungen. Am selben Morgen fand eine Dienerin aus gutem Hause ihren Herren aufgehängt in seinem Schlafzimmer, als sie das Frühstück bringen brachte. In seinem Abschiedsbrief stand:

"Mir tut unendlich Leid, wie viel Schmerz du durch mich erfahren musstest. In einem anderen Leben, an einem sicheren Ort, fern von allem Schmerz und all der Qual, werde ich auf dich warten. Dann wirst du wahre Liebe erfahren.

Alles hat einen Anfang und ein Ende… Lausche meinem Lied vom Ende…"

Darunter waren aus seinem eigenen Blut ein paar Noten geschrieben, welche eine melancholische Melodie hervorbrachten, wenn man sie summte…
12.4.06 20:17


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