stAlucards eyes
Fantasy

Fantasy - Der Soldat

Jim hatte schon vor langem vergessen, wann dieser Krieg begonnen hatte oder warum. Er zählte nicht mehr die Tage bis der Krieg vorbei war, sondern die Tage die er am Leben blieb, seit er in das Schlachtfeld geschickt wurde. Er hockte zusammengesunken in einem Schützengraben und schloss seine Augen. Irgendwo hörte er ein Wimmern. Er brauchte nicht hinzusehen um zu wissen, dass wieder jemand erwischt wurde. Er würde nicht dran sterben, zumindest vorerst. Doch die Wunde würde sich mit dem Dreck vermischen und entzünden. Da die Sanitäter alle selbst entweder tot oder geflohen waren, konnte er auf keine Hilfe hoffen und würde elendig an einer Kugel im Fuß sterben. Vermutlich würde er gar nicht so lange warten, sondern sich vorher das Leben nehmen. So wie Jones vorgestern, als man den Kopf seines entführten Bruders in den Graben geworfen hatte.
Jim war es so Leid, jeden Tag seine Kameraden sterben zu sehen. Er wollte nicht mehr hören, wie sie nach ihrer Mutter schrien, wenn sie im sterben lagen, wollte nicht mehr sehen, wie sie verzweifelt versuchten, ihre Gedärme aufzusammeln oder ihr weg gefetztes Bein unter den Arm nahmen und in den Graben humpelten. An das Geräusch der Schüsse und der Granaten gewöhnte man sich sehr schnell. Die erste Granate, die in unmittelbarer Nähe explodiert war, hatte ihm das Gehör auf der rechten Seite genommen. Stopfte er sich nachts eine Patrone ins andere Ohr, konnte er sogar manchmal schlafen. Doch schlafen war nicht gut. Es sorgte nur dafür, dass er all die schrecklichen Szenen erneut durchleben musste. Darum hatte er irgendwann aufgehört zu schlafen. Hin und wieder übermannte ihn die Müdigkeit, ließ ihn unachtsam werden oder für ein paar Minuten einnicken, doch weckte ihn der schiere Gedanke an den Tod wieder auf. Er starb. Er würde elendig verrecken. Erschossen im Schlaf. Vielleicht sogar von seinen eigenen Kameraden, die nach und nach die Besinnung verloren, nicht mehr zwischen Freund und Feind unterschieden.

Er spähte zeitgleich mit seinem Mitstreiter links von ihm über den Rand des Grabens. Ein lautes Platschen ertönte. Der Kopf des Kollegen wurde nach hinten gerissen. Das Gesicht war ein einziger blutverschmierter Klumpen. Scharfschützen. Wieder einer weniger. Dieses Mal hatte er Glück gehabt. Die Leiche neben ihm fiel endlich rückwärts zu Boden. Eine kleine Lache sammelte sich um sie. Jim rutschte ein paar Meter von ihm weg und nahm sein Gewehr. Niemand schenkte dem Toten mehr Beachtung. Er hatte es hinter sich. Er war raus aus dieser Hölle.
Vorsichtig schaute er durch das Visier seiner Waffe. Dort stand ein Kind hinter einem ausgebrannten Panzer, mit einem Scharfschützengewehr in der Hand. Jim zielte auf dessen Kopf und schoss. Dem Jungen wurde der Unterkiefer förmlich weggesprengt, doch auch das war Jim egal. Alter, Geschlecht, Nationalität, Name. Alles wurde bedeutungslos an einem Ort, an dem jeder nur um sein eigenes Überleben kämpfte. Die Regeln waren denkbar einfach. Jeder, der eine Waffe bei sich trug spielte mit. Wer dich sah und nicht auf dich schoss, war dein Freund, alles andere war der Feind. Hatte er dich noch nicht gesehen, so hast du Glück gehabt und kannst ihm zuvorkommen. Wobei Jim immer mehr das Gefühl hatte, dass der entdeckte mehr Glück hatte. Ihm wurde der weitere Verlauf dieses Gemetzels erspart. Er brauchte sich um nichts mehr sorgen, außer um die letzten zwei, drei Atemzüge, vielleicht noch um die Familie, die er zurückgelassen hatte, Frau und Kinder, welche ein paar Tage später die Todesnachricht von jemandem überreicht bekommen würde, der fest behauptete, Seite an Seite mit ihrem Mann gekämpft zu haben.
Dabei war er nie auf dem Schlachtfeld gewesen, ja, war nicht einmal drüber hinweggeflogen. Er hatte lediglich die Hundemarke, das „Dogtag“ zugeschickt bekommen, falls man überhaupt dazu kam, dem gefallenen dieses zu Entwenden. Alle Daten standen dort drauf. Alle menschlichen Daten über den Mann hinter der Nummer 08/15 der Brigade Bravo. Der Mann wurde zu seiner Hundemarke, kaum dass er sie um sich gehangen und das Schlachtfeld betreten hatte. Alles, was man mit dem Mann verband verschwand, sobald er den ersten Feind erschossen hatte. Der Mensch verliert alles Menschliche im Krieg, so heißt es. Gerade das macht ihn menschlich.


Jim griff nach seiner Wasserflasche. Obwohl sie leer war setzte er sie sich an die Lippen, versuchte, auch nur den kleinsten Tropfen Flüssigkeit herauszupressen. Nichts. Jim verzweifelte, doch nicht einmal mehr Tränen wollten aus seinen roten, ausgebrannten Augen fließen. Die spröde Haut brannte ihm im Gesicht, weil die Sonne unentwegt auf ihn herab schien. Scheinbar hat Gott doch einen Sinn für Sarkasmus. Inmitten all der Toten, direkt zwischen den Fronten stand ein Kaktus in voller Blüte. Das einzig lebendige im Umkreis von 10 Meilen. Die Kämpfer waren alle schon tot, nur ließ der Tod sich Zeit und wählte mit Bedacht die Glücklichen aus, die vor den anderen dem Kampf entfliehen konnten.

Und da wurde es ihm klar. Jim verstand, was an seinem puren Kampf ums Überleben so falsch war. Er hatte ihn bereits verloren. Vielleicht hatte er keine äußeren Wunden, vielleicht stellte er sich aber auch nur vor, unverletzt zu sein. Und da, der Kaktus, das Symbol des Lebens. Dieser Wink war doch eindeutig. Er sollte zu ihm gehen, dann hatte sein Leiden ein Ende.

Jim lächelte, schmiss sein Gewehr neben die Leiche seines Mitstreiters und stand auf. Neue Kraft machte sich in ihm breit. Wieso war ihm das vorher noch nicht aufgefallen. Jeder hier war bereits tot, gestorben in einem Kampf, der niemals enden sollte. Ihre Hölle war es, auf ewig zu kämpfen. Nur wer dies begriffen hatte wurde erlöst. Er hüpfte aus dem Graben. Irgendwer hinter ihm murmelte etwas, dass er zurückkommen solle. Nein, dachte Jim. Niemals würde er zurückkommen. Er wusste, dass niemand außer ihm den Kaktus sehen könnte. Er war auserwählt worden, dieser Schlacht zu entfliehen. Er lief los, verfiel sofort in einen Trab. Schneller konnte er nicht laufen. Endlich, sein Leiden würde vorbei sein. Das Paradies erwartete ihn.

Eine kleine Metallkugel, abgefeuert von Kinderhand aus einem Scharfschützengewehr bahnte sich den Weg durch Jims linken Lungenflügel und sorgte dafür, dass er den Kaktus nie erreichte. Und doch war Jim nicht traurig. Er starb mit einem Lächeln auf den Lippen. Er hatte gewonnen. Er war tot.
2.2.07 22:59


Fantasy - Der Unbesiegbare

Der Unbesiegbare, so wurde er genannt.
Der Krieger, die lebende Legende.
Er war im gesamten Land bekannt
Doch niemand kannte sein Ende.

Einst wanderte er umher
Ziellos, durch Feld und Wald
Seine Opfer wurden mehr und mehr
Er tötete schnell und kalt.

Einem ganzen Heer stellte er sich
Zu finden, wonach er suchte
Die Schlacht war lang und fürchterlich
Nicht einen Kratzer er verbuchte.

Er lebte für den Kampf, den Krieg, die Schlacht
Jeden Tag litt jemand Schmerzen
Doch versuchte er stets mit aller Macht
Sein eigenes Leben auszumerzen.

Er war es Leid, er hatte es Satt
Tag für Tag mit dem Tod zu ringen
Doch im Kampf fand die Verwandlung statt
Und niemand vermochte ihn zu bezwingen.

Etwas in ihm nahm überhand
Verhinderte, dass er kampflos aufgab
Machte ihn blitzschnell, eiskalt und gewand
Und schickte die Gegner ins Grab.

So streifte er weiter umher
Und kam zur höchsten Klippe überhang
Mit dem Rücken zum Abgrund stand er
Atmete tief ein und sprang.

Doch einmal mehr wusste das Tier in ihm
Ihm den sehnlichsten Wunsch zu verderben
Griff nach der Kante und begann sich hochzuziehen
Rettete sie beide und ließ sie nicht sterben.

Auch verlor gegen ihn die Zeit
Die sonst alles schaffte
Auf alle empfand der Krieger Neid
Die die Zeit dahinraffte.

Der Unbesiegbare, so wird er noch immer genannt
Der Krieger, die Lebende Legende
Er bleibt weiterhin im ganzen Land bekannt.
Sein Leiden hat niemals ein Ende.

Gezwungen zu wandern bis er findet
Einen Weg das Biest zu bezwingen
Zu töten, was ihn ans Leben bindet
So lang wird man von dem Krieger singen.
1.2.07 22:26


Fantasy - Das wahre Paradies

Schillernde, kräftige Farben bahnen sich den Weg in meine Augen. Strahlend blauer Himmel, saftig grüne Blätter an den Bäumen, Sträuchern und Wiesen, voll mit gesunden Grashalmen, die sich gen Sonne strecken. Eine angenehme Wärme erfasst meinen Körper und lässt eine wohlige Gänsehaut entstehen. Langsam gehe ich voran, den Windungen des steinernen Weges folgend, hinab zum kleinen Bach mit dem glasklaren Wasser und den niedlichen Fischen in ihrer ganzen Farbenpracht. Auf der Wiese sitzt ein gutaussehender Mann und meditiert. Mein Weg führt mich über eine mit kunstvollen Schnitzereien verzierte Holzbrücke. Eine eifrige Spinne bastelt gerade an ihrem sorgfältig geplanten Netz, welches sie zwischen zwei Streben des Brückengeländers spinnt. Als sie mich bemerkt hält sie kurz inne und verkriecht sich in ein kleines Loch im Holz, lässt nur zwei Beinchen rausgucken. Ich gehe weiter und gelange an ein Feld mit einer Vielzahl von Blumen, bunt, in voller Blüte und duftend in den schönsten Gerüchen. Ich setze mich auf eine Holzbank vor dem Feld, entspanne ein wenig und genieße den Blick auf das Feld. Die Bank steht unter einem wunderschönen, schattenspendenden Apfelbaum, dessen Früchte so unglaublich saftig aussehen, dass man am liebsten gleich einen essen möchte. Auch von ihnen geht Appetit anregender Duft aus.
An mir läuft ein altes Pärchen Hand in Hand vorbei, voller Elan und Liebe zueinander. Sie tragen vielfarbige Hemden und bequem aussehende Schuhe und grüßen mich freundlich, während sie vorbeiziehen und vor Freude lachen. Der Ort scheint so schön, so voll von Liebe und Leben und….

…so furchtbar langweilig! Genervt von dem Anblick und hungrig stehe ich auf und trete gegen den Baum. Ein Apfel fällt mir direkt in die Hand. Genüsslich beiße ich hinein. Im selben Augenblick springen ein paar Jugendliche in angeranzten Klamotten hinter dem Baum hervor, einen Fußball unter dem Arm und stürmen auf das Blumenfeld, treten mit ihren Füßen die Blüten ab, knicken die Stängel und Blätter der Pflanzen mit dem Ball und reißen mutwillig welche heraus, um besser Spielen zu können. Der Himmel bewölkt sich schlagartig und all der Farbe um mich herum entweicht das Leben. Der eben noch glasklare Bach ist nun ein trüber, von Algen durchwachsener Fluss, in dem kein einziger Fisch zu leben vermag. Die Sonne verschwindet hinter den Wolken und es fängt leise an zu regnen. Ich stehe auf dem Weg und schaue mir die mit Rissen durchzogene Betonbrücke an, welche über den Bach führt. Von hinten ertönt ein „Aus dem Weg, Arschloch“, während sich eine alte Frau in grauem Mantel, mit weißen gelockten Haaren und Gehstock an mir vorbei drängelt. Die Unlust am Leben steht ihr ins Gesicht geschrieben. Einer der jugendlichen Fußballspieler kommt zu mir herüber und droht mir, mich aufzuschlitzen, würde ich ihm nicht sofort all mein Geld geben. Ich schaue ihm tief in seine gierigen, hasserfüllten Augen und haue ihm mit aller Wucht ins Gesicht, dass seine Nase blutet. Während er umfällt renne ich über die Brücke, die inzwischen von den anderen Kindern mit Graffitis verunstaltet wird.
Die Wiese, an der ich vorbeikomme ist über und über mit Hundehaufen, vertrockneten Stellen und aufgewühltem Erdreich. Mitten auf ihr sitzt ein alter Mann mit einem Bier in der Hand, verdreckter Kleidung und ungepflegtem Äußeren und fordert ein bisschen Kleingeld.
Alles, was einst schön war, scheint verloren und verdrängt von Gewalt und Ignoranz.
Hier fühle ich mich wohl. Hier bin ich zu Hause.
24.1.07 14:40


Fantasy - Zwei Brüder

Erbarmungslos prasselte der Regen durch das Dickicht des Waldes, ließ keinen Flecken Boden, Baum und Stein trocken und übertönte jedes Geräusch durch sein unheilverkündendes Plätschern. Jedes Lebewesen mit einem funken Verstand oder dem einfachen Schutzinstinkt hielt sich so weit wie möglich von der ebenen Lichtung in der Mitte des Waldes fern, verkroch sich in einer Höhle, einem Erdloch oder suchte im Dickicht Schutz vor dem Regen und dem, was sich dort abspielen mochte. Sie waren da. Seit mehreren Minuten schon standen sie auf der Lichtung, 20 Schritte Abstand voneinander haltend und beteten stumm. Zwei Krieger, Zwei Brüder, die sich zum finalen Duell trafen. Die aschgrauen Wolken verdunkelten sich mit jeder Minute, die sie schweigend ausharrten, darauf wartend, dass ihnen ein Zeichen gesandt wurde. Keiner sprach ein Wort. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen, nur noch ihre Klingen sollten für sie sprechen.

Das letzte Wort war vor zwei Wochen gefallen, zusammen mit der Gemahlin von Taro Mizuhika, dem älteren der beiden Brüder. Kira Mizuhika hatte wie so oft zu viel Sake getrunken. Der Alkohol hatte seinen Verstand vernebelt und ihn glauben lassen, Taros Weib würde sich zwischen die ehemals perfekte Bruderschaft der beiden stellen. Immer häufiger hatte Taro keine Zeit mehr für seinen Bruder. Waren sie vorher beinahe täglich zusammen, so traf man sich nun höchstens einmal pro Woche. Kira steigerte sich in den Streit hinein, zog sein Schwert und erschlug Taros Frau, woraufhin Taro ihm schwor, beim ersten Regentag des kommenden Monats werde im Shirakawa-Wald Kiras Leben enden!

So standen sie nun da, die Gedanken erfüllt vom Tod des Anderen, vom Ende ihrer langjährigen Freundschaft und gespannt auf den bevorstehenden Kampf. Nie zuvor hatten sie es gewagt, die Schwerter gegeneinander zu richten, weder in freundschaftlichem Training, noch einem Wettkampf oder ähnlichem. Dieses ungeschriebene Gesetz galt ab sofort nicht mehr. Sie würden sich messen und einer von ihnen würde diese Lichtung nicht mehr verlassen.
Unaufhörlich strömte der Regen vom Himmel, prasselte laut von den aus Leder und Metall bestehenden Rüstungen ab, durchnässte Haare, Haut und Boden, welcher sich in einen rutschigen Schlammbelag auflöste und den Kampf somit noch mehr behinderte. Um die Krieger herum schienen alle Farben vom dunkel des Himmels verschluckt. Einstmals saftig grüne Blätter und gesunde braune Baumstämme waren nun eins, eine graue Masse mit unzähligen Schattierungen, fließend in den Boden übergehend. Lediglich die zwei Brüder hatten nichts von ihrer Farbintensität verloren. Es schien, als strahlten sie ihre kräftigen Farben aus, als symbolisierte die Farbe ihr Lebenslicht, das heiß in ihnen flackerte. Der pechschwarze Wolkenvorhang wurde jäh erhellt, zerrissen von einem einzigen, grell gezackten Blitz, der gen Boden ragte.

Sofort stürmten die zwei Krieger aufeinander los, zogen im Lauf ihre Waffen und ließen die Klingen mit aller Wucht in der Mitte aneinanderprallen. Der Himmel schien das klirrende Geräusch durch sein drohendes Donnern und rumpeln zu untermalen, ja, verstärken zu wollen, den Kampf weit hinaustragen in die Welt. Die Gesichter der Brüder von Wut und Anstrengung verzerrt, stießen sie voneinander ab, brachten sich mit einem Satz auf Distanz, nur um erneut vorzupreschen und Stahl auf Stahl prallen zu lassen. Taro versuchte einen Hieb auf die Hüfte seines Bruders zu landen, doch dieser wich mit einer geschickten Drehung aus und schlug seinerseits nach dem Oberkörper. Er verpasste Taro einen oberflächlichen Schnitt am linken Arm, aus dem postwendend Blut sickerte. Es folgte ein unerbittlicher Schlagabtausch. Ihre Farben ließen das Grau der Umgebung noch mehr verblassen, während ihre Waffen aufeinander hämmerten. Sämtliche Gedanken wurden verdrängt vom reinen Instinkt des Überlebens. Intuitiv wichen sie aus, schlugen nach ihrem Feind, wann immer sie eine Lücke in seiner Verteidigung wähnten und parierten währenddessen einen weiteren Hieb. Verbissen kämpften die Brüder gegeneinander, voller Hass und Zorn auf sich und das unweigerlich bevorstehende Ende. Kira schlug Taro die Klinge zur Seite, sodass der Bauch ungedeckt war. Zu spät bemerkte er die dahintersteckende Finte, als er bereits nach seinem Bruder stach. Dieser drehte sich geschickt zur Seite, wobei seine Rüstung einen tiefen Kratzer hinnahm, hieb von oben herab auf die Klinge seines Bruders und rammte sie in den Boden. Kira verlor das Gleichgewicht, als Taro mit einem Tritt auf die Klinge ihm selbige aus den Händen riss. Taro rammte ihm sein Schwert bis zum Heft in den Bauch, hielt seinem Bruder nur durch das halten der Waffe aufrecht, während er ihm ins Gesicht schaute. Die Augen flackerten leicht, während aus Kiras Mundwinkeln das Blut troff. Vorsichtig tastete er nach seiner Wunde. Eine einzelne Träne rann seine Wange hinab, bevor Taro ihm entsetzt die Klinge aus dem Körper riss. Kira sank auf die Knie, sich mit einer Hand abstützend, die andere vor die Wunde haltend. Sein Blick zeigte pure Ungläubigkeit, Unverständnis über das, was soeben geschehen war.
Taro sah zuerst seinen Bruder an, dem das Blut aus der Wunde floss und dessen Farben langsam an Kaft verlor, dann auf seine Klinge, verziert mit blutig roten Schlieren, die bereits vom Regen verwischt und abgewaschen wurden und ihn packte eine Erkenntnis, so grausam, dass er kurzzeitig ins Wanken geriet.
Was hatte er nur getan….
Kira keuchte laut, spuckte Blut, die Qual stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das allein verhalf Taro zu seinem Entschluss. Sein Bruder sollte nicht Leiden. Er sollte in Würde sterben.
Langsam, unendlich langsam, als hätte die Zeit sich gegen ihn verschworen, schritt er voran zu seinem Bruder. Blass war seine Farbe geworden, als Taro ihn entschlossen am Kopf gepackt und auf die Knie gezogen hatte. Ein letztes Mal schauten sie sich in die Augen, um Verzeihung flehend, voll von Bruderliebe und inniger Freundschaft, dann schloss Kira die Augen.
Am Himmel donnerte es gewaltig.

Unmittelbar danach drehte Taro sich um. Er wollte seinen enthaupteten Bruder nicht ansehen, wollte ihn in Erinnerung behalten, wie er ihn gekannt.
Tränen mischten sich dem unaufhörlichen Regen bei, sein Körper verkrampfte und schüttelte sich. Er lies seine Waffe fallen. Ein paar Blutspritzer im Gesicht wurden weggeschwemmt.
Wie hatte es nur so weit kommen können. Hatte sein Bruder am Ende vielleicht recht gehabt? War sein Weib schuld an all dem Leid, dass er nun widerfahren? Er erinnerte sich zurück an all die schöne Zeit, die er mit seinem Bruder verbracht hatte. Auch fiel ihm ein, wie sehr ihm die Tage gefehlt haben, als seine Frau in sein Leben trat. Doch auch sie hatte er geliebt und alles versucht, mit beiden glücklich zu sein.
Nun hatte er niemanden mehr.
Seine Frau war tot, ermordet aus Eifersucht, genommen, weil sie den Platz seines Bruders einnehmen wollte.
Sein Bruder war tot, ermordet aus Rache und mit eigener Hand, genommen, um die Ehre wieder reinzuwaschen.
Was für ein Narr war er doch gewesen. Die beschmutzte Ehre über die Familie zu stellen. Er hatte dem Kodex entsprechend gehandelt und doch alles verloren, was ihm lieb und teuer war. Seine Ehre war wiederhergestellt und doch fühlte er eine innere Leere unvorstellbaren Ausmaßes. Beide Brüder hatten in Irrglauben, das richtige zu tun, gehandelt, und so das schlimme Schicksal heraufbeschworen.
Niemand würde Taros Schmerz nun zu Lindern vermögen. Er war allein… Er hatte gesiegt und dennoch verloren, war am Leben, ohne lebendig zu sein.
So verschmolz er mit dem grauen Wald. Alle Farbe war von ihm gewichen…
9.1.07 13:47


Fantasy - Zwei Krieger

Laut prasselt der Regen durch das Dickicht
Auf die Blätter am Boden und macht ihn ganz kalt.
Lebewesen vernehme ich weiter nicht
In der Nähe der Lichtung im Wald.

Nur zwei Krieger, starr und durchnässt
Harren dort im Mondeslicht.
Für beide steht nur eines fest:
Einer verlässt diese Lichtung nicht.

Die Augen geschlossen, breitbeinig, still
So Stehen sie da.
Ein jeder den and’ren bezwingen will
Sie spüren den Tod ganz nah.

Die schwere Rüstung, das Schwert in der Scheide
Warten sie auf Gottes Zeichen.
Ein blitz durchzuckt den Himmel und beide
Beginnen von ihrem Platz zu weichen.

Sie stürmen los und ziehen blank
Droben der Himmel stürmt und rumort.
Aneinander schnellen die Klingen so schlank
Funken fliegen, ich bin betört.

Ihr Kampf gleicht einem Tanz
Voll von Wut und Rhythmus.
Sie schlagen, treten, konzentrieren sich ganz
Auf den entscheidenden Stoß.

Da, eine Lücke!
Der Krieger stößt zu!
Doch der Gegner voller Tücke
Entwaffnet ihn im Nu!

Des Gegners Klinge den Körper durchdringt
Der Krieger zuckt und atmet schwer.
Ein harter Ruck ihn in die Knie zwingt
Er spuckt Blut, sein Blick wird leer.

Der Sieger erweist ihm die letzte Ehre
Und packt den Verlierer beim Schopf.
Richtet ihn auf, als wenn nichts wäre
Und trennt ihm dann ab den Kopf.

Der Regen wäscht das Blut von der Waffe, dem Krieger, dem Boden
Die Augen des Kriegers sind gerötet.
Er vergießt Tränen in seinem schmerzvollen Leiden.
Er hat seinen Bruder getötet.

Welcher ihm einst das Weib genommen
Und die Ehre zutiefst gekränkt.
So hat er Blutrache ersonnen
Und sein Schwert mit Blut getränkt.

Die Ehre ist zwar wiederhergestellt
Sein Weib jedoch wird nicht mehr lebendig.
Der Bruder sich auch nie mehr zu ihm gesellt.
So hat er niemanden, der seinen Schmerz bändigt.

So zieht er von Dannen
Die Augen noch immer rot.
In seiner Einsamkeit gefangen
Ist er lebendig, und doch tot.
8.1.07 17:48


Cainus Welt - Fremde Welten und Aufräumwahn

Seid gegrüßt!

Gestern wurde mir wieder bewusst, dass es ab und zu einfach tierisch gut tut, seinen alten Gelüsten und Gewohnheiten nachzugeben, sich einfach in fremde Welten und düstere oder auch fröhliche Geschichten fallen zu lassen. Nach meiner melancholischen Phase(lest den Eintrag unter diesem hier!) beschloss ich, einfach mal wieder Azureus anzuschalten und die neusten Folgen von Bleach und Naruto zu Ende zu saugen. Nebenbei entschied ich mich noch Death Note 1 zu ziehen, da der Anime auch ganz interessant sein sollte. Das ganze geschah, nachdem ich in der Badewanne war, sprich so gegen 22 Uhr. Hab dann also so um 23 Uhr angefangen zu schauen und kam erst wieder los um 2:00, weil ich die Anime so interessant finde. Von Death Note zog ich mir gleich die nächsten beiden Folgen, weil der Anime wirklich genial böse ist. Was würdet IHR machen, wenn ihr ein Heft findet, und jede Person, deren Namen ihr eintragt, stirbt binnen kürzester Zeit? Nun, ich kann euch erzählen, der Hauptcharakter der Serie dreht ein bisschen durch und fühlt sich gottgleich.

Aber ich will euch ja nicht den Spaß verderben. Die paar Leute, die Anime gucken, können da gerne mal reinschauen, diejenigen, die Anime höchstens mal im Fernsehen gesehen und als Kinderschrott abgetan haben, werden mich eh für verrückt halten. Aber.....ich bin nicht verrückt....NEIN,.... IHR SEID ES!!!!*hysterischlach*
Nebenbei angemerkt freue ich mich heute tierisch darauf, dass Volkstrott uns Fanclub dazu auserkoren hat, an ihrer Bandprobe teilzunehmen und somit als ERSTE den Neuen Sänger „LeBen“ zu sehen, hören usw. Ich bin echt gespannt darauf, genauso wie ich gespannt bin, wie ich reagiere, wenn ich Helen heute sehe, die ich ebenfalls eingeladen habe(hatte ja die Erlaubnis). Frage ist, ob sie erscheint, ich lass mich überraschen.

Wohlan, ich werde nun weiter mein Zimmer aufräumen. Nachdem ich gestern beinahe den ganzen Tag damit verbracht habe, den Keller aus-, um- und einzuräumen und dabei sehr viel Müll zu finden, Ekelpickel zu kriegen aufgrund diverser lebender, toter, scheintoter untoter Spinnen und mich über erschrocken fliehende Kellerasseln zu amüsieren, denen ich pötzlich ihr Versteck genommen hatte, habe ich nun irgendwie diesen Flash, hier ebenfalls ein bissl klarschiff zu machen, und nachdem ich gesehn habe, wie vie Platz da unten noch ist, wenns mal ordentlich gemacht wurde, werde ich nun auch die Kisten, die hier oben stehen, wieder in den Keller stellen.

Gehabt euch wohl
Cainu
26.10.06 15:12


Fantasy - Eisland

Diese Geschichte hier habe ich vor laaaanger Zeit mal geschrieben, als ich das noch regelmäßiger tat^^ Ich persönlich bin stolz auf das Werk, weil es eine der wenigen Geschichten ist, die ich mal beendet habe und die man auch irgendwie versteht^^ Der einfachheit halber hab ich das 1. Kapitel VOR die anderen geschoben, also einfach runterscrollen^^ Viel spaß

Eisland 1

13:24 Uhr. Es gab nur einen Tag im Jahr, an dem es in den Schulen um diese Uhrzeit so still war. Nicht einmal der Lehrer sprach und alle starrten gespannt auf den Sekundenzeiger, der unter der Last der Blicke Rückwärts zu laufen schien. Noch 10 Sekunden, dann hatten sie es geschafft. Dann konnte ihnen kein Lehrer der Welt mehr etwas anhaben, nicht für die nächsten 6 Wochen. Gemeinsam zählten die Schüler die Sekunden bis zum endgültigen Klingeln. „5. 4. 3.2.1.“ Die Klingel ertönte. Nun gab es kein Halten mehr. Alle Schüler schrieen lauthals „FERIEN!!!“ und packten ihre Sachen ein. Der Lehrer war der erste, der die Klasse mit einem „schöne Ferien“ verließ, dicht gefolgt von rund 40 Schülern. Nur einer ließ sich ganz gemütlich Zeit. Kenichi Graves, 17 Jahre Alt und seit einer halben Stunde im besitz eines Satzes, wie ihn nur 5 andere in der Klasse hatten: Nicht versetzt in die Klasse 11. Zu Hause würde ihn niemand erwarten, seine Noten waren die miesesten seit Jahren und er wusste jetzt schon, dass er dreiviertel Zeit der Ferien mit lernen verbringen durfte. Sein Schwertkampftraining konnte er demnach auch vergessen. Aber das brauchte er eh nicht mehr, denn er war der mit Abstand beste Schüler. Wenn ein Turnier stattfand, stand von vornherein fest, wer es gewinnen würde. Wahrscheinlich war er deshalb sitzen geblieben, denn das Kämpfen mit dem Schwert war alles, woran er denken konnte. Er träumte davon, wie er eines Tages durch die Länder streifte und den Gesetzesbrechern zeigte, was sie davon hatten, wenn er sie in Stücke schlug. Er setzte sich zurück auf den Stuhl und dachte darüber nach, wie er seinen Eltern sein Missglücktes Zeugnis am besten mitteilen konnte. „Kommst du endlich?!“, riss ihn eine vertraute Stimme aus seinen Gedanken. „Tima, ich dachte, du wärst schon längst gegangen?“, sagte er sichtlich verwundert. „Glaubst du, ich würde dich in solch einer schwierigen Situation alleine lassen? Mir geht’s schließlich nicht besser!“ Da hatte sie Recht. Auch sie hatte dieses Schuljahr nicht erfolgreich abgeschlossen. Sie gab ihm einen Kuss und fragte, ob er mit ihr Eis essen gehen wollte. Er nickte zufrieden und seine Gedanken an Schule verflogen so schnell wie bei all den anderen. Immerhin waren Ferien. Seine Eltern konnten ihm diese unmöglich versauen, dachte er.
Konnten sie doch!
Er verließ das Klassenzimmer und lief Arm in Arm mit Tima den Flur in Richtung Ausgang entlang. Sie mussten auch am Büro des Direktors vorbei, wo Kenichi’ s Eltern schon auf ihn warteten. Seine Mutter sah ziemlich traurig aus, sein Vater hingegen Stinksauer. Kenichi schlussfolgerte daraus, dass die beiden es schon erfahren hatten. Sein Vater wollte gerade losschreien, als Kenichi die Hand erhob und seinen Vater zum schweigen brachte. NEIN, er wollte sich diesen Moment nicht zerstören lassen. Wenigstens dieses eine Mal wollte er ungestört mit Tima den Tag verbringen. Sein Vater musste sich ernsthaft zurückhalten. Seine Frau nahm ihn am Arm und machte ihm damit deutlich, die beiden erst mal in Ruhe zu lassen. So verließen sie alle das Gebäude und gingen von dort aus in verschiedene Richtungen.

Sein Herz hüpfte vor Freude, denn noch nie hatte er es geschafft, seinen Vater von etwas abzubringen. „Das hast du gut gemacht!“, sagte Tima und fragte, ob er Geld beihatte. „Nein, aber ich weiß, wo wir welches herkriegen.“ Sie gingen die völlig überfüllte Straße entlang, immer noch Arm in Arm, vorbei an Bäumen, die schon ihre ersten Blätter verloren, über eine alte Brücke, von der Kenichi überzeugt war, sie würde bald zusammenbrechen und so kamen sie schließlich zum Park. Er stellte Tima vor die Wahl. Entweder, sie vollführten einen Hindernislauf quer über den mit Hundehaufen übersäten Rasen, oder sie liefen den fast dreifach so langen Weg drum herum. Sie entschloss sich für den längeren Weg. Langsamen Schrittes liefen sie an den vollbesetzten Parkbänken vorbei, die vor dem Spielplatz lagen und von denen die meisten mit Ausländern besetzt waren. Sie alle sahen gleich aus. Sie waren entweder klein, dick und massig, oder kräftig und groß gebaut. Egal in welchem Alter, es schien, als wären sie schon mit einem kleinen Oberlippenbart geboren worden und alle trugen diese fetten, meist schwarz, oder dunkelgrünen Bomberjacken und dazu unzählige Goldketten. Natürlich durfte die schwarze Rappermütze nicht fehlen. Fast alle waren der deutschen Sprache nur bedingt mächtig und wenn sie fließend und Fehlerfrei sprachen, waren es Deutsche, die in die Gruppe aufgenommen wurden. Kenichi hatte nichts gegen Ausländer, aber es war so, als würden diese Leute krampfhaft versuchen, einen schlechten Ruf zu bekommen. Und das Klischee erfüllte sich nur zu Oft, denn fast immer, wenn irgendwo eine Schlägerei stattfand, oder ein Überfall oder ähnliches, war es dieses Rudelvolk. Sie traten nie alleine auf und wenn, dann waren sie harmlos. Einer alleine tat nichts, aber so bald sie zu zweit waren, gab es ärger, ganz getreu dem Motto ’Gemeinsam sind wir stark!’ Weit abgeschlagen von den Ausländern gab es vereinzelt Parkbänke, auf denen sich paare küssten oder einfach nur kuschelten. Tima stupste Kenichi an und er schaute nach vorne. Ein Baum war während eines großen Sturmes vor ein paar Tagen umgestürzt und nun wurde er Ausländerbesitz. Eine Truppe von gut 10 Mann saß auf diesem Baum und machten Blödsinn, schubsten sich gegenseitig herunter oder machten die Passanten an. Kenichi wusste, dass sie keine Ausnahme machen würden, nur weil sie zu zweit waren. Sie näherten sich dem Baum und wie erwartet sprang einer von ihnen herunter. „Hey, Alter, haste mal ne Kippe für uns?!“ Kenichi überhörte ihn einfach. Also stellte sich dieser ihm in den Weg. „Ob du ne Kippe hast, Arschloch!“ „Nein, ich bin Nichtraucher!“ , sagte er in etwas scharfen Ton. Er wusste, das war ein Fehler. „ALTER, WILLSU STRESS!?!“, schrie dieser und sofort sprangen auch die anderen vom Baum und stellten sich wie eine Mauer um die beiden herum. „Nichtrauchen schadet der Gesundheit, wusstest du das nicht!?“, fragte dieser in dem besten Deutsch, was er liefern konnte und schlug Kenichi heftig in den Magen. Dieser zuckte zusammen und fiel auf die Knie. Einer von seinen Kumpels kam auf Tima zu und packte sie am Arm. Als er sie wegziehen wollte, trat sie ihm heftig in die Weichteile. Mit einem lauten Schrei fiel dieser zu Boden. Auch Kenichi machte kurzen Prozess mit dem Typen vor ihm, in dem er ihm seine Faust in sein Gesicht rammte. Er schaute sich schnell um. Ein Baum hat Äste, überlegte und schlussfolgerte, dass er zum Baum musste. Er packte Tima und zog sie hinter sich her. Mit einem Sprung trat er einem von ihnen gegen die Brust. Dieser fiel Rückwärts zu Boden und machte so den Weg frei. Das hatte die anderen so verwundert, dass sie noch ein paar Sekunden lang verdutzt auf ihren Kollegen starrten. Das verschaffte Kenichi ein wenig Zeit, so dass er sich einen großen, stabilen Ast abbrechen konnte. Gemeinsam mit Tima rannte er davon, hinter ihm 7 der 10 Gangmitglieder. „Tima, lauf so schnell du kannst zur Polizei und bring sie hierher!“, sagte er und blieb stehen. Sie wollte ihn fragen, was aus ihm werde, aber er gab ihr einen kräftigen Schubs und brachte sie dazu, weiterzugehen. Er drehte sich um und sein Gesichtsausdruck sagte den anderen, dass er nicht weitergehen würde. Innerlich hatte er eine panische Angst, aber er musste sie unterdrücken. Sein Herz pochte so schnell, dass es wehtat, aber er konnte jetzt nicht patzen. Nun konnte er endlich beweisen, was er gelernt hatte, auch wenn keiner da war, der es bewundern konnte. Alle blieben in knapp einem Meter Entfernung stehen. „Oh, ein niedliches Stöckchen hast du da. Willst du uns angreifen?“, fragte einer von ihnen. Alle lachten, doch das blieb ihnen ein paar Sekunden später im Halse stecken. Das Großmaul, dass eben den Spruch abgelassen hatte fiel mit einer Platzwunde an der Stirn zu Boden. Es ging viel zu schnell, als das die anderen hätten reagieren können. Wie eine Maschine schlug Kenichi mit dem Ast zu, traf sie entweder im Magen, am Kopf oder im Genick. Der Ast war so stabil, dass er selbst Tritte damit abwehren konnte, ohne Schaden zu nehmen. Mit wenigen Schlägen fielen weitere von ihnen zu Boden, hielten sich den Magen oder Kopf und alle schrieen wie verrückt. Der nächste wollte ihn mit einem Messer attackieren, doch als er zuschlug ließ Kenichi den Ast gegen seinen Unterarm prallen. Mit einem Aufschrei ließ er das Messer fallen. Kenichi holte aus und verpasste ihm einen heftigen Schlag gegen die linke Wange. Durch den Aufprall wurde er so hart zur Seite geschleudert, dass er auf den Rasen fiel und bewusstlos liegen blieb. Seine Angst, die Gegner könnten ihm noch irgendetwas Angst haben verflog von einem Augenblick zum anderen. Sie konnten nichts gegen ihn ausrichten. Einen nach dem Anderen schlug er zu Boden ohne, dass sie auch nur die geringste Gegenwehr leisten konnten. Er war erstaunt über seine eigenen Fähigkeiten. Langsam gesellte sich auch Publikum dazu, unter anderem eins der Paare, die auf der Parkbank gesessen hatten. Der Mann sah aus, als wolle er jeden Moment eingreifen, konnte sich aber nicht dazu durchringen. Schließlich blieb er stehen und beobachtete das Gemetzel. Die drei, die sie vorhin schon erledigt hatten, kamen hinzu und auch sie hatten sich Äste abgebrochen. Kenichi wurde wieder etwas unzuversichtlicher, denn nach den ersten paar Schlägen von ihnen bemerkte er, dass sie durchaus in der Lage waren mit diesen Waffen umzugehen. Ihnen unterlief jedoch der Fehler, Kenichi zu zeigen, dass diese Äste zwei Seiten hatten. Natürlich gab es auch die Seite, die er abgebrochen hatte und welche demnach um einiges Spitzer und schärfer war. Noch während er seinen Stock in einer hand umdrehte schlugen die anderen auf ihn ein. Er lief mehrere Meter rückwärts und konnte ihren Stäben nur um Millimeter entkommen. Einer von ihnen kam auf die schlaue Idee, den Stock wie einen Speer auf ihn zuschnellen zu lassen, also stellte er sich hin, nahm Anlauf und streckte den Arm aus, wodurch die Reichweite erheblich vergrößert wurde. Kenichi reagierte im letzten Augenblick, schlug den Ast beiseite und nutzte den Schwung von dieser Seite aus um - mit kleinen Sprung nach vorne – ihm ins Gesicht zu schlagen. Er bekam ein paar hässliche Kratzer an der Wange und ließ den Ast fallen. Sofort schlug Kenichi weiter auf ihn ein, wobei er hin und wieder die Schläge der anderen abblocken musste. Einer hatte ihn fast erwischt gehabt und ihm seinen Pulli zerfetzt, doch der war ihm eh zu klein. Mit einem Tritt schmiss er sein Oper nach hinten und schlug mit dem Ast auf den nächsten ein. Dieser war bei weitem besser gewesen und Kenichi hatte ihn unterschätzt gehabt. Ehe er sich versah blockte sein Gegner seinen Schlag so hart ab, dass sein Stock zu Bruch ging. Das war ein Problem, denn nun konnten beide ungehindert auf ihn einschlagen. Na ja, fast ungehindert, den das bisschen, was übrig geblieben war von seinem Stock hielt er weiterhin wie einen Schild vor sich und hoffte, sie würden ihn nicht treffen. Mit einem harten Treffer gegen den Schädel fiel er zu Boden. Blut lief ihm aus Mund und Nase, als die beiden weiter auf ihn einschlugen und eintraten. Auch einige von den anderen hatten sich wieder aufgerappelt, nur um ihn anzugreifen. Er blutete immer heftiger aus der Nase und er sah jetzt schon die Schlagzeile vor sich:
>>>>>>>>>>>>>>>>>Junge von gemeiner Jugendbande zu Tode geprügelt<<<<<<<<<<<<<

Er wollte nicht so enden, aber er war am Ende seiner Kräfte. Die Schläge und Tritte spürte er schon gar nicht mehr, da sich sein Körper nicht um alle wunden gleichzeitig kümmern konnte. Er spürte nur die anfänglichen Wunden im Gesicht und Magen. UND Plötzlich hörten alle auf. Blut spuckend und nach Luft schnappend drehte Kenichi sich um jede Bewegung, sogar das auf und ab bewegen des Brustkorbes während des Atmens schmerzte ein wenig. Er hörte Schritte hinter sich. Jemand rannte auf sie zu, aber er sah alles nur verschwommen. Anscheinend musste es jemand bewaffnetes sein, sonst hätten die Jungs nicht aufgehört. Anfangs hielt er ihn für einen Polizisten, zumal er Tima’ s Stimme vernahm, die ihm sagte, dass das die Übeltäter waren. Mit einem Sprung verschwand der Kerl allerdings ohne jede Vorwarnung. Ein lauter Schmerzensschrei zwang ihn dazu, sich umzudrehen. Der Mann stand hinter einem von den Jungen und durch seinen Bauch schaute ein Schwert. Der Unbekannte riss es heraus und schlug den Kerl entzwei. Als er sah, wie die Eingeweide zu Boden fielen und die Einzelteile noch Sekundenlang zuckten, musste Kenichi sich übergeben. Das war das mit Abstand abartigste, was er in seinem Leben gesehen hatte. Doch er zwang sich, weiter mit anzusehen, wie er einen nach dem anderen Enthauptete oder ihm ein beliebiges Körperteil amputierte. Das Blut spritzte in Fontänen aus ihren Körpern und hinter sich hörte er nun auch Tima aus voller Kraft sich übergeben. Warum tat der Unbekannte das? Was hatte er davon diese Jungs abzuschlachten. Das tat er sicherlich nicht nur, um ihn zu retten. WELCHER NORMALE MENSCH TRÄGT AUCH MITTEN IN EINER GROßSTADT EIN SCHWERT!!! Diese und weitere Gedanken dieser Art durchschossen Kenichi in selbigem Augenblick. Für einen kurzen Moment war Kenichi der Bewusstlosigkeit nahe, doch nun war er wieder hellwach. Seine Gedanken hatten sich nicht getäuscht. Der Typ schlachtete nicht nur die Jungs, nein auch die Zuschauer ab. Er tat dies absolut Hemmungslos und ohne Vorwarnung. Sein Blick war kalt und erst jetzt wurde Kenichi bewusst, dass der Unbekannte ein Junge in ungefähr dem selben Alter wie er selbst war. Mit dem Schwert in der linken Hand kam er nun auf den am Boden liegenden Kenichi zu. Er hob schützend die Hände als er sein Schwert erhob, doch er wollte es nur zurück in die Scheide, die an seinem Rücken befestigt war, stecken. Er hielt ihm die rechte Hand entgegen. Nach kurzem zögern ergriff er die Hand und ließ sich hochziehen. Er hatte das Gefühl, seine Beine seien zu Brei verarbeitet worden und er dachte, sie würden jeden Augenblick wie Papierstreifen unter ihm zusammenbrechen. „Ich nehme dich Huckepack, aber wir müssen von hier verschwinden, so schnell es geht.“, sagte der Junge in relativ ruhigem, aber bestimmendem Ton. Ohne Widerworte tat Kenichi was er sagte, er empfand es als Selbstmord, einem Schwertträger zu wiedersprechen. Er kletterte auf seinen Rücken und der Junge und Tima rannten aus dem Park. „Wieso hast du die Zuschauer....?“ Er beantwortete sich die Frage selbst. Es durfte keine Zeugen geben, was der Junge kurz darauf bestätigte. Eigentlich einleuchtend, wenn man bedachte, dass ein völlig fremder Mensch mit einem Schwert nicht einfach so in einen Park gehen konnte und “Zerfetz den Mensch in so kleine Teile, dass du nicht mehr erkennst, wer es ist“ spielt und dann ungestraft wieder gehen konnte. „Und wie willst du von hier wegkommen, ohne von der Polizei erwischt zu werden?“, fragte Kenichi, dem es langsam wieder besser ging. Er hatte ein Stück von seinem Pulli abgerissen und es vor die Nase gehalten, damit das Bluten aufhörte. Der Junge blieb stehen. Kenichi sah sich um, weil er nach einem Grund suchte. Fast 300 Meter hinter ihnen rannte Tima in ihrem schnellsten Tempo. Als sie die beiden eingeholt hatte, musste sie erst einmal eine Pause machen. „Wie......wie ist das möglich...“, keuchte sich und stützte sich mit ihren Händen auf die Knie. „Ihr Menschen seid einfach zu verweichlicht!“ „Was soll denn die Bemerkung?“, fragte Kenichi in Bezug auf ’ihr Menschen’. „Das kann ich dir ja mal zeigen. Mädchen, du kannst ihn doch bestimmt kurz halten, oder?“ Sie nickte und nahm ihn ab. Er stellte sich sofort hin, musste sich aber ein wenig abstützen bei ihr. Der unbekannte Junge wartete bis kein weiterer in der Nähe war und ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt musterten die beiden den Jungen zum ersten Mal ausführlich. Er hatte langes schwarzes Haar und eine kleine Spitze Nase. Sein Mund war ebenfalls sehr Spitz und sah aus wie aufgezeichnet. Er hatte eine auffallend helle, fast gelbe Augenfarbe, die sich zur Mitte hin mit grün ablöste. Er trug eine kleine braune Lederrüstung, die schon ziemlich gelitten haben musste in den letzten paar Tagen. Auffällig waren auch die zwei Einschnitte auf dem Rücken, direkt neben den Schulterblättern. Kenichi hatte sie vorhin als Griffe benutzt, um nicht herunterzufallen. Seine Hose war eine einfache schwarze Lederhose, die einen Riss am Hintern hatte und er trug keine Schuhe. Er trug kein T-Shirt unter seiner Rüstung, so wie er aussah, kannte er so etwas gar nicht. „Nun werde ich euch einfachen Menschen mal zum Staunen bringen!“, sagte er und Kenichi sah seine Augen für einen Sekundenbruchteil aufblitzen. Seine eher helle Hautfarbe begann, sich zu verändern. Sie bekam eine seltsame Musterung. Kenichi traute seinen Augen nicht und auch Tima war äußerst erstaunt. Dem Jungen wuchsen Schuppen. Die Hautfarbe hatte sich nun von einem hellen Rosa zu einem dunklen Rot hin verändert und sie passte hervorragend zu den Schuppen und zu seinen gelbgrünen Augen. Der spitze Mund wurde etwas breiter, aber es veränderte seinen Gesichtsausdruck unmerklich. Generell schien der Junge fast 5 cm breiter geworden zu sein. Die Rüstung spannte an seinem Körper und auch die Hose drohte zu zerreißen. Seine Arme waren nun muskulös und man konnte die Konturen anhand der Schuppen deutlich hervorsehen. Seine, dünnen, knochigen Finger wurden zu dicken langen Fingern mit langen Fingernägeln, die man schon fast als Krallen bezeichnen konnte, weshalb seine Hände eher als Pranken anzusehen waren. Die Füße sahen fast genauso aus, allerdings nicht ganz so breit. Das erschreckendste von allem war zugleich auch das einleuchtendste. Der Junge, den man nun nur noch als abartiges Wesen mit Ansatzweise menschlicher Gestalt bezeichnen konnte, wuchsen große, rot-schuppige Flügel und ein langer, dünner Schwanz mit den selben Merkmalen. Die Haut zwischen den Flügeln sah recht dünn aus und schimmerte ein wenig im Sonnenlicht und der Schwanz hatte eine nach hinten gebogene Spitze am Ende. Es sah aus wie eine Pfeilspitze. Vor ihnen stand nun ein Wesen, welches man nicht genau beschreiben konnte. „Was....“ Kenichi machte eine lange Pause zwischen diesem und den folgenden Wörtern, „Was bist du....für ein Wesen...?“ Er und Tima standen mit weit geöffneten Mündern vor ihm und starrten völlig Fassungslos seine neue Gestalt an. Er grinste. Auch seine Stimme war nicht wiederzuerkennen. Sie war einst weich gewesen, doch nun war es eine tiefe, raue Stimme, die man mit der eines Monsters vergleichen konnte. „Wofür hältst du mich denn?“, fragte er äußerst amüsiert. „Egal, kommt her und stellt euch mit dem Rücken zu mir.“, sagte er, nachdem er wusste, dass er lange auf eine Antwort warten konnte. Ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, taten sie was er sagte. Sie konnten gar nicht wiedersprechen, denn seine Verwandlung hatte ihnen die Sinne geraubt. Man hätte fast meinen können, sie wären zu seinen Willenlosen Sklaven geworden. Er packte Kenichi und Tima jeweils unter einen Arm und sprang in die Lüfte. Seine Flügel bogen sich dabei nach unten und er streckte sich so weit es konnte gen Himmel. Am höchsten Punkt angekommen, spreizte er seine Flügel aus und flog mit langen, kraftvollen Zügen davon.
9.8.06 00:16


 [eine Seite weiter]


NAVIGATION

Home
About me
Guestbook

LINKS

Cocos Blog
Tinis Blog
Mammuts Blog

LAYOUT

GB des Layouters
Layouter's Page
Gratis bloggen bei
myblog.de