stAlucards eyes
Fantasy - Zwei Brüder

Erbarmungslos prasselte der Regen durch das Dickicht des Waldes, ließ keinen Flecken Boden, Baum und Stein trocken und übertönte jedes Geräusch durch sein unheilverkündendes Plätschern. Jedes Lebewesen mit einem funken Verstand oder dem einfachen Schutzinstinkt hielt sich so weit wie möglich von der ebenen Lichtung in der Mitte des Waldes fern, verkroch sich in einer Höhle, einem Erdloch oder suchte im Dickicht Schutz vor dem Regen und dem, was sich dort abspielen mochte. Sie waren da. Seit mehreren Minuten schon standen sie auf der Lichtung, 20 Schritte Abstand voneinander haltend und beteten stumm. Zwei Krieger, Zwei Brüder, die sich zum finalen Duell trafen. Die aschgrauen Wolken verdunkelten sich mit jeder Minute, die sie schweigend ausharrten, darauf wartend, dass ihnen ein Zeichen gesandt wurde. Keiner sprach ein Wort. Sie hatten sich nichts mehr zu sagen, nur noch ihre Klingen sollten für sie sprechen.

Das letzte Wort war vor zwei Wochen gefallen, zusammen mit der Gemahlin von Taro Mizuhika, dem älteren der beiden Brüder. Kira Mizuhika hatte wie so oft zu viel Sake getrunken. Der Alkohol hatte seinen Verstand vernebelt und ihn glauben lassen, Taros Weib würde sich zwischen die ehemals perfekte Bruderschaft der beiden stellen. Immer häufiger hatte Taro keine Zeit mehr für seinen Bruder. Waren sie vorher beinahe täglich zusammen, so traf man sich nun höchstens einmal pro Woche. Kira steigerte sich in den Streit hinein, zog sein Schwert und erschlug Taros Frau, woraufhin Taro ihm schwor, beim ersten Regentag des kommenden Monats werde im Shirakawa-Wald Kiras Leben enden!

So standen sie nun da, die Gedanken erfüllt vom Tod des Anderen, vom Ende ihrer langjährigen Freundschaft und gespannt auf den bevorstehenden Kampf. Nie zuvor hatten sie es gewagt, die Schwerter gegeneinander zu richten, weder in freundschaftlichem Training, noch einem Wettkampf oder ähnlichem. Dieses ungeschriebene Gesetz galt ab sofort nicht mehr. Sie würden sich messen und einer von ihnen würde diese Lichtung nicht mehr verlassen.
Unaufhörlich strömte der Regen vom Himmel, prasselte laut von den aus Leder und Metall bestehenden Rüstungen ab, durchnässte Haare, Haut und Boden, welcher sich in einen rutschigen Schlammbelag auflöste und den Kampf somit noch mehr behinderte. Um die Krieger herum schienen alle Farben vom dunkel des Himmels verschluckt. Einstmals saftig grüne Blätter und gesunde braune Baumstämme waren nun eins, eine graue Masse mit unzähligen Schattierungen, fließend in den Boden übergehend. Lediglich die zwei Brüder hatten nichts von ihrer Farbintensität verloren. Es schien, als strahlten sie ihre kräftigen Farben aus, als symbolisierte die Farbe ihr Lebenslicht, das heiß in ihnen flackerte. Der pechschwarze Wolkenvorhang wurde jäh erhellt, zerrissen von einem einzigen, grell gezackten Blitz, der gen Boden ragte.

Sofort stürmten die zwei Krieger aufeinander los, zogen im Lauf ihre Waffen und ließen die Klingen mit aller Wucht in der Mitte aneinanderprallen. Der Himmel schien das klirrende Geräusch durch sein drohendes Donnern und rumpeln zu untermalen, ja, verstärken zu wollen, den Kampf weit hinaustragen in die Welt. Die Gesichter der Brüder von Wut und Anstrengung verzerrt, stießen sie voneinander ab, brachten sich mit einem Satz auf Distanz, nur um erneut vorzupreschen und Stahl auf Stahl prallen zu lassen. Taro versuchte einen Hieb auf die Hüfte seines Bruders zu landen, doch dieser wich mit einer geschickten Drehung aus und schlug seinerseits nach dem Oberkörper. Er verpasste Taro einen oberflächlichen Schnitt am linken Arm, aus dem postwendend Blut sickerte. Es folgte ein unerbittlicher Schlagabtausch. Ihre Farben ließen das Grau der Umgebung noch mehr verblassen, während ihre Waffen aufeinander hämmerten. Sämtliche Gedanken wurden verdrängt vom reinen Instinkt des Überlebens. Intuitiv wichen sie aus, schlugen nach ihrem Feind, wann immer sie eine Lücke in seiner Verteidigung wähnten und parierten währenddessen einen weiteren Hieb. Verbissen kämpften die Brüder gegeneinander, voller Hass und Zorn auf sich und das unweigerlich bevorstehende Ende. Kira schlug Taro die Klinge zur Seite, sodass der Bauch ungedeckt war. Zu spät bemerkte er die dahintersteckende Finte, als er bereits nach seinem Bruder stach. Dieser drehte sich geschickt zur Seite, wobei seine Rüstung einen tiefen Kratzer hinnahm, hieb von oben herab auf die Klinge seines Bruders und rammte sie in den Boden. Kira verlor das Gleichgewicht, als Taro mit einem Tritt auf die Klinge ihm selbige aus den Händen riss. Taro rammte ihm sein Schwert bis zum Heft in den Bauch, hielt seinem Bruder nur durch das halten der Waffe aufrecht, während er ihm ins Gesicht schaute. Die Augen flackerten leicht, während aus Kiras Mundwinkeln das Blut troff. Vorsichtig tastete er nach seiner Wunde. Eine einzelne Träne rann seine Wange hinab, bevor Taro ihm entsetzt die Klinge aus dem Körper riss. Kira sank auf die Knie, sich mit einer Hand abstützend, die andere vor die Wunde haltend. Sein Blick zeigte pure Ungläubigkeit, Unverständnis über das, was soeben geschehen war.
Taro sah zuerst seinen Bruder an, dem das Blut aus der Wunde floss und dessen Farben langsam an Kaft verlor, dann auf seine Klinge, verziert mit blutig roten Schlieren, die bereits vom Regen verwischt und abgewaschen wurden und ihn packte eine Erkenntnis, so grausam, dass er kurzzeitig ins Wanken geriet.
Was hatte er nur getan….
Kira keuchte laut, spuckte Blut, die Qual stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das allein verhalf Taro zu seinem Entschluss. Sein Bruder sollte nicht Leiden. Er sollte in Würde sterben.
Langsam, unendlich langsam, als hätte die Zeit sich gegen ihn verschworen, schritt er voran zu seinem Bruder. Blass war seine Farbe geworden, als Taro ihn entschlossen am Kopf gepackt und auf die Knie gezogen hatte. Ein letztes Mal schauten sie sich in die Augen, um Verzeihung flehend, voll von Bruderliebe und inniger Freundschaft, dann schloss Kira die Augen.
Am Himmel donnerte es gewaltig.

Unmittelbar danach drehte Taro sich um. Er wollte seinen enthaupteten Bruder nicht ansehen, wollte ihn in Erinnerung behalten, wie er ihn gekannt.
Tränen mischten sich dem unaufhörlichen Regen bei, sein Körper verkrampfte und schüttelte sich. Er lies seine Waffe fallen. Ein paar Blutspritzer im Gesicht wurden weggeschwemmt.
Wie hatte es nur so weit kommen können. Hatte sein Bruder am Ende vielleicht recht gehabt? War sein Weib schuld an all dem Leid, dass er nun widerfahren? Er erinnerte sich zurück an all die schöne Zeit, die er mit seinem Bruder verbracht hatte. Auch fiel ihm ein, wie sehr ihm die Tage gefehlt haben, als seine Frau in sein Leben trat. Doch auch sie hatte er geliebt und alles versucht, mit beiden glücklich zu sein.
Nun hatte er niemanden mehr.
Seine Frau war tot, ermordet aus Eifersucht, genommen, weil sie den Platz seines Bruders einnehmen wollte.
Sein Bruder war tot, ermordet aus Rache und mit eigener Hand, genommen, um die Ehre wieder reinzuwaschen.
Was für ein Narr war er doch gewesen. Die beschmutzte Ehre über die Familie zu stellen. Er hatte dem Kodex entsprechend gehandelt und doch alles verloren, was ihm lieb und teuer war. Seine Ehre war wiederhergestellt und doch fühlte er eine innere Leere unvorstellbaren Ausmaßes. Beide Brüder hatten in Irrglauben, das richtige zu tun, gehandelt, und so das schlimme Schicksal heraufbeschworen.
Niemand würde Taros Schmerz nun zu Lindern vermögen. Er war allein… Er hatte gesiegt und dennoch verloren, war am Leben, ohne lebendig zu sein.
So verschmolz er mit dem grauen Wald. Alle Farbe war von ihm gewichen…
9.1.07 13:47
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tini / Website (9.1.07 14:07)
ich bin wie immer begeistert!
eher gesagt sprachlos *echt nich weiß was ich dazu schreiben soll*
außer: WOW!!!
die geschichte gefällt mir besser als das gedicht, man kann sich richtig hineinversetzen in die geschichte, es is der wahnsinn!
ich hab mich echt nur aufs lesen konzentriert und auf nix anderes, wirklich hab nix mehr von meiner umgebung mitbekommen so gefesselt war ich beim lesen! (hab sogar überhört das jemand mit mir etwas besprechen wollte X3)
so da ich immernoch so verpeilt bin und nich weiß was ich weiter scheiben soll is hier mal schluss, bin außerdem nich so gut in kritik oder so äußern, sorry ^^"

Tschu
*mich wieder an die nicht vorhandene arbeit machen*

p.s.: *lol* hier muss man doch immer hin schreiben was in dem bild steht damit mans kommi abgeben kann, da stehen wirklich die buchstaben "c A I n U" drin


sato (9.1.07 22:08)
*vom stuhl fall*
HAMMER
mir fehlen die worte... ich weiß gar nicht was ich sagen soll, denn irgendwie glaube ich nicht, dass ich worte für diese unglaubliche geschichte finden würde...


Cocofreak (9.1.07 23:01)
.... geil ... nur eines ... den Kampf hättest du ruhig mit mehr Details ausschmücken können ^^

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen

NAVIGATION

Home
About me
Guestbook

LINKS

Cocos Blog
Tinis Blog
Mammuts Blog

LAYOUT

GB des Layouters
Layouter's Page
Gratis bloggen bei
myblog.de